29
Aug
2018
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Basilius-Kathedrale

Moskau und St. Petersburg: Helle Nächte, dunkle Keller und höher hinaus als je zuvor

⌚ geschätzte Lesezeit: 34 Minuten

Zunächst muss ich eine Warnung aussprechen: Üblicherweise gestalte ich meine Reiseberichte in Form von Empfehlungen, wie man eine Stadt in wenig Zeit möglichst umfangreich erkunden kann. Mich hat es dieses Jahr aber schon zum dritten Mal nach Russland geführt. Die Faszination für Moskau und St. Petersburg ist nach wie vor kein Stück gewichen, aber mittlerweile kenne ich die Hauptattraktionen schon. Meine Erlebnisse in diesem Reisebericht widmen sich also nicht den üblichen Verdächtigen wie etwa dem Kreml in Moskau oder der Auferstehungskirche in St. Petersburg. Und wegen der langen Dauer des Trips von 10 Tagen und der Vielzahl an Erlebnissen jeden Tag wird der Bericht auch etwas länger als üblich.

Dank zweier riesengroßer Vorteile werde ich dir dafür jedoch jede Menge Geheimtipps geben können. Der erste Vorteil ist meine Freundin Varya. Als Russin versteht sie ihr Land nicht nur besser als ich es je könnte; als gebürtige St. Petersburgerin – besser gesagt Leningraderin – kennt sie ihre Stadt wie ihre Westentasche. Doch damit nicht genug, denn mein zweiter Vorteil ist noch schwerwiegender: Varyas Mutter ist Stadtführerin in St. Petersburg. Alleine ihr Wissen über die Historie St. Petersburgs scheint schon grenzenlos zu sein, aber sie hat darüber hinaus auch noch jede Menge Connections.

Inhaltsverzeichnis

Planung

Der Reisezeitraum war dieses Jahr durch ein Großereignis definiert: Bereits für den zweiten Spieltag der Fußball-Weltmeisterschaft hatten wir bei der ersten Auslosungsrunde Tickets erhalten. So sind wir bereits einige Tage vor dem Eröffnungsspiel angereist, da die Hotelpreise für die Zeit ab dem ersten Anpfiff rapide in die Höhe geschossen sind. Dank Varyas Mutter haben wir auch nur für die Tage in Moskau ein Hotel benötigt und sind in St. Petersburg bei ihr untergekommen.

Mit einigen Monaten Vorlauf bei der Buchung waren auch die Flüge und das Hotel preislich im Rahmen. Dass die Hotelpreise mit näherrückender WM deutlich anzogen konnten wir rasch feststellen: Wir haben das Hotel in Moskau bereits vor den Flügen gebucht. Als endlich der Sommerflugplan rauskam haben wir gesehen, dass neben Montag nun auch ein Flug am Samstag von Memmingen aus startet. Selbstverständlich haben wir so die zeitigeren Flüge gebucht. Problem nur: Unser Hotel war für die zusätzlichen Tage schon ausgebucht und wegen des guten Preises wollten wir die Buchung nicht stornieren. Zwischendurch mussten wir daher noch einmal das Hotel wechseln. Dort erfuhren wir, dass sich die Preise in der Zwischenzeit bereits verdoppelt hatten.

benfalls im Vorfeld hatten wir Tickets für das Bolschoi-Theater, den russischen Nationalzirkus, das Michailowski-Theater und natürlich die Fußball-Weltmeisterschaft besorgt. Die Preise werden dann im Reisebericht aufgeführt.

On The Road

Zum Flughafen Memmingen ging es für 12,35 Euro mit Bahncard 25, Regionalbahn und Transferbus von Ulm aus.

Wer wie wir Aufgabegepäck hat sollte für den Flug mit Pobeda nach Moskau etwas früher anreisen als an anderen Flughäfen. Bei allen bisherigen Flügen nach Moskau mussten wir mindestens 30 Minuten anstehen bis wir unsere Koffer abgeben konnten. Und hinter uns wuchs die Schlange jedes Mal deutlich, sodass andere Passagiere sicherlich nochmal länger warteteten. Weiter tragisch war das aber nicht, da der Flieger auch noch nie pünktlich abgehoben ist. So hatten wir auch dieses mal wieder 30 Minuten Verspätung. Aber ich möchte mich nicht beschweren: Der Flug nach Moskau hat inklusive eines Gepäckstücks mit dem russischen Lowcoster Pobeda ab Memmingen 72,93 Euro gekostet.

In Moskau angekommen stand zunächst die Einreisekontrolle an. Erstmalig bin ich ohne Visum eingereist. Dank eines Tickets für die Fußball-Weltmeisterschaft hatte ich eine Fan-ID erhalten, die eine kostenfreie Einreise ermöglichte. Wo ich sonst etwa 90 Euro für die Visumsaustellung zahlen musste konnte ich dieses Jahr für annährend denselben Betrag einreisen und dazu noch ein Spiel anschauen: Wochenendnomadenstyle wird jede Option zum Sparen von Geld und Sammeln neuer Erlebnisse genutzt!

Die Einreisekontrolle ging schnell über die Bühne, im Gegenssatz zum ersten Trip mussten wir keine Stunde aufs Gepäck warten und wir konnten und rasch auf den Weg in die Stadt machen, nachdem wir am Flughafen etwas Geld abgehoben haben. Für einen Euro erhält man derzeit in etwa 75 Rubel.

Natürlich könnte man ein Taxi nehmen, aber für die Fahrt von ca. 45 Minuten muss man schon etwas tiefer in die Tasche greifen. Leider ist der Airport Vnukovo nicht ans Metronetz angeschlossen und als günstige Alternative bleibt nur der Bus der Linie 611. Du findest die Bushaltestelle, wenn du den Terminal verlässt und so lange nach rechts läufst bis das Flughafengebäude endet. Auf der anderen Seite des Parkhauses findest du die Haltestelle auf der anderen Seite einer vielbefahrenen Straße.

Travelhack
Kaufe vom abgehobenen Geld eine Kleinigkeit (Kaugummi, Getränk,…) im Terminal. Mit dem Kleingeld musst du dich beim Bezahlen nicht auf Diskussionen mit dem Busfahrer einlassen.

Das Ticket musst du direkt beim Busfahrer für 30 Rubel kaufen.

Der Bus fährt dann bis zur Metrostation Yugo-Zapadnaya, von der aus du perfekt mit der U-Bahn alle Ziele anfahren kannst. Am Schalter musst du vor Antritt der Fahrt eine mit Guthaben wiederaufladbare Fahrkarte erwerben. Diese kostet ein Pfand von 50 Rubel. Für jede Fahrt werden 36 Rubel vom Guthaben auf der Karte abgezogen.

Da die Fahrten ungeschlagen günstig sind spare ich mir im weiteren Verlauf den Preis jeder einzelnen Metrofahrt nochmal aufzuführen. Moskau ist einfach zu groß um alles fußläufig zu erreichen und die U-Bahn bietet die schnellste Möglichkeit, von einem Ort zum nächsten zu gelangen.

Reise

Moskau

Tag 1

Gegen 18 Uhr moskauer Zeit konnten wir im Croissant Hotel einchecken. Hier haben wir für zwei Nächste ohne Frühstück 101 Euro bezahlt. Auch wenn es im Preis nicht inbegriffen war, gab es dennoch für einen günstigen Preis Frühstück am Morgen.

Abendessen bei Meatless

Da es gerade schon ums Essen geht: Wir waren hungrig und wollten nicht lange suchen. Auf dem Weg von der Metrostation kamen wir am Restaurant Meatless vorbei, wo es uns nach dem Check-In direkt wieder hingezogen hat. Für 970 Rubel gab es bei Meatless Burger, Pommes-Frites und einen Cider mit ordentlich Umdrehungen.

Burger bei Meatless

Burger bei Meatless

Meatless

Meatless

Siegespark

Auch wenn der Tag schon fast gelaufen war, wollten wir den ersten Abend in Moskau nicht ohne ein besonderes Erlebnis ins Bett gehen. Vor zwei Jahren bereits hat Varya mich an unserem letzten Abend in Moskau zum Siegespark geführt, ohne dass ich damals ahnte, was mich erwarten wird. Dieses mal kommen wir also am ersten Tag hierher und sofort kommen wieder die Erinnerungen hoch: Beim ersten Mal war ich einfach nur sprachlos ob der schieren Größe des Parks, der Vielzahl nachts beleuchteter Springbrunnen, die Denkmäler und nicht zuletzt der 142 Meter hohe Obelisk, zu dessen Fuß der heilige Georg aus dem Stadtwappen Moskaus einem Drachen den Kopf abschlägt. Die Frage, welcher Sieg auf dem Siegesplatz gefeiert wird, wird an diesem Monument ebenfalls deutlich sichtbar: Zu allen Seiten sieht man zerbrochene Hakenkreuze. Es wird also an den Sieg der roten Armee über die Faschisten im großen vaterländischen Krieg erinnert.

Siegespark

Siegespark

Der heilige Georg am Fuß des Obelisks

Der heilige Georg am Fuß des Obelisks

Vom heiligen Georg zerbrochene Hakenkreuze

Vom heiligen Georg zerbrochene Hakenkreuze

Museum des Großen Vaterländischen Krieges

Museum des Großen Vaterländischen Krieges

Besonders empfehlenswert ist es, den Siegespark am Abend zu besuchen. Nicht nur sind dann die Brunnen rot beleuchtet, sondern es man ist auch ganz nah dran an der Skyline von Moskau City.

Moskau City vom Siegespark aus

Moskau City vom Siegespark aus

Feuerrote Wasserfontänen

Feuerrote Wasserfontänen

Beleuchtung am Siegespark

Beleuchtung am Siegespark

Und noch eine weitere Empfehlung, auch wenn ich natürlich schon viel vorweggenommen habe: Wenn du die Metrostation Park Pobedy verlässt, steige die Treppen nach draußen nur langsam empor. Mit jedem Schritt steigt der Wow-Faktor.

Roter Platz

Man war nicht in Moskau, ohne den roten Platz gesehen zu haben. Ich denke, diesen Satz werden schon viele Menschen geäußert haben. Ich würde das vielleicht nicht ganz so unterschreiben, da die Stadt viel zu vielseitig ist, um von einem Ort repräsentiert zu werden. Aber es steckt auch Wahrheit drin. An diesem Ort und in seiner Umgebung findet sich komprimiert sehr viel Moskau: Nicht nur der rote Platz selbst mit dem Lenin-Mausoleum, der angrenzenden Basilius-Kathedrale und dem Minin-und-Poscharski-Denkmal davor, dem Kaufhaus GUM, dem staatlichen historischen Museum Moskau und den Mauern des Kreml ist auf einen Blick sichtbar. In nur wenigen Minuten erreicht man den stündlichen Wachwechsel am Grab des unbekannten Soldaten mit einem ewigen Feuer, kann zum Fluss Moskwa laufen und in den Luxusboutiquen der Seitenstraßen viele, viele Rubel loswerden.

Auch uns hat es an diesem Abend noch einmal an diesen Ort gezogen.

Varya im winterlich wirkenden Moskau im Juni

Varya im winterlich wirkenden Moskau im Juni

Kaufhaus GUM

Kaufhaus GUM

Basilius-Kathedrale

Basilius-Kathedrale

Apartmentgebäude an der Kotelnitscheskaja-Uferstraße

Apartmentgebäude an der Kotelnitscheskaja-Uferstraße

Tag 2

Museon Park

Bei regnerischem Wetter verließen wir das Hotel nach einem kleinen Frühstück in Richtung vom zentralen Haus des Künstlers nahe des Gorky-Parks. Wir hatten befürchtet, dass der Ansturm sehr groß wird und waren bereits zeitiger vor Ort. Schlussendlich war es aber – sicherlich auch wegen des Regens – weniger schlimm als befürchtet. Die Zeit bis zur Eröffnung um 11 Uhr überbrückten wir im Museon Park. In diesem Open Air Museum kann man bei freiem Eintritt ein großes Sammelsurium alter, sowjetischer Denkmäler sehen, die in früheren Zeiten überall in der Stadt ihren festen Platz hatten. Wie man sich sich denken kann, dominieren Hammer und Sichel sowie das Antlitz von Lenin die Landschaft.

Statuen im Museon Park

Statuen im Museon Park

Banksy-Ausstellung

Punkt 11 Uhr standen wir dann in der Schlange zur Banksy-Ausstellung im zentralen Haus des Künstlers. Der Eintritt lag für Onlinetickets bei 650 Rubel und wäre vor Ort teurer gewesen.

Kassenhäuschen vor der Banksy-Ausstellung

Kassenhäuschen vor der Banksy-Ausstellung

Streetart im allgemeinen und Banksy im Speziellen jage ich mit größter Freude hinterher – auch wenn diese Jagd insbesondere in London vorletztes Jahr nicht sonderlich erfolgreich war. Bei der Ausstellung in Moskau bekam man vor allen Kunstwerken zunächst einmal ein Video zu sehen. Wobei Video untertrieben ist: Vielmehr eine nahezu 360 Grad-umfassende Videoinstallation, die den Hintergrund zahlreicher Werke von Banksy einordnet, aber dennoch nichts vom Mysterium des Menschen hinter dem Künstler preis gibt.

Banksy in seinem Atelier

Banksy in seinem Atelier

Die Ausstellung umfasste mehrere dutzend Werke, die jeweils thematisch gruppiert in einzelnen abgetrennten Bereichen präsentiert wurden. Wir haben uns etwa zwei Stunden Zeit genommen, alles zu erkunden. Wir hätten problemlos aber auch mehr Zeit investieren können, insbesondere, wenn wir die App genutzt hätten, die man als Audioguide runterladen kann.

Banksys Werk zu Europa und dem Brexit

Banksys Werk zu Europa und dem Brexit

CCTV auf der Banksy-Ausstellung

CCTV auf der Banksy-Ausstellung

Die Präsentation war gelungen, multimedial begleitet und eigentlich wäre alles perfekt gewesen, hätte nicht eine Sache gefehlt: Die meisten Werke wurden mit umfangreichen Hintergrundtafeln beschrieben, die allerdings nur auf russich vorhanden waren.

Exit through the gift shop

Exit through the gift shop

Christ-Erlöser-Kathedrale

Entlang der Moskva gingen wir zurück ins Stadtzentrum. Den Fluss überquerten wir direkt an der Brücke, über die man zur Christ-Erlöser-Kathedrale gelangt. Dieses Bauwerk ist immer wieder imposant, allerdings konnte ich es bislang nur von außen bestaunen. Bei meinem letzten Besuch durfte ich die Kirche wegen meiner kurzen Hosen nämlich nicht betreten. Auch hieran erkennt man, dass es sich um das zentrale Gotteshaus der russisch-orthodoxen Kirche handelt. Ein anderes Indiz ist, dass die Festnahme und mehrjährige Inhaftierung der Mitglieder von Pussy Riot in Russland weit weniger Kontroversen ausgelöst hat als im Ausland. In exakt dieser Kirche fand der Auftritt 2012 nämlich statt und heute findet sich vor Ort keinerlei Anzeichen mehr, der darauf hindeutet.

Christ-Erlöser-Kathedrale

Christ-Erlöser-Kathedrale

Die negativen Ereignisse jedoch ausgeblendet handelt es sich bei dem Gebäude um ein stellenweise sprachlos machendes Stück Architektur. Die Größe und die exponierte Lage lassen sogar die gewaltige Kirche des heiligen Sava hinter sich, die ich bei meinem Städtetrip nach Belgrad besucht habe.

Christ-Erlöser-Kathedrale von innen

Christ-Erlöser-Kathedrale von innen

Bolschoi-Theater

Langsam wurde es Zeit und wir mussten einen Zahn zulegen. Für den Nachmittag hatten wir nämlich Tickets für eine Vorstellung von Carmen im weltbekannten Bolschoi-Theater.

Bolschoi-Theater

Bolschoi-Theater

Das Bolschoi-Theater ringt einem beim Besuch jeden Respekt ab. Gewiss: 5.600 Rubel für den Eintritt ins Bolschoi-Theater in der günstigsten Kategorie ist sowohl nach deutschen als auch russischen Verhältnissen ein stolzer Preis. Der Preis von 150 Rubel fürs Ausleihen eines Opernglases fällt da natürlich nicht mehr weiter ins Gewicht.

Die Bühne im Bolschoi-Theater

Die Bühne im Bolschoi-Theater

Ich gehe aber soweit zu behaupten, dass man ein solch einmaliges Erlebnis sonst nirgendwo in dieser Form noch einmal geboten bekommt. Das Gebäude ist bis in die letzte Ecke hinein wunderschön und glänzt vor Gold und Marmor, alle Leute sind superschick gekleidet, beim Betreten des Zuschauerraums habe ich eine dicke Gänsehaut bekommen, während der Vorstellung liegt eine dezente, aber edle Parfümwolke in der Luft und selbst wenn man wie ich kein Experte ist, muss man einfach zu dem Schluss kommen, dass die Künstler auf und hinter der Bühne zu den besten ihres Fachs gehören müssen. Doch findet man hier nicht nur wenige ausgewählte, die zur Crème de la Crème gehören: In manchen Szenen ist die riesengroße Bühne bis in die letzte Ecke gefüllt mit einer schier unüberschaubare Menge an Schauspielern und Sängern.

Das Ensemble von Carmen im Bolschoi-Theater

Das Ensemble von Carmen im Bolschoi-Theater

Der Dirigentenplatz während der Pause

Der Dirigentenplatz während der Pause

Carmen war nicht meine erste Oper, dennoch muss ich zugeben, dass ich sicherlich nicht der größte Anhänger von Opern bin oder jemals sein werde. Wenn man aber nur ein einziges Mal in seinem Leben eine Oper besucht haben möchte, dann sollte das Bolschoi-Theater mit Sicherheit ganz weit oben auf der Liste potenzieller Spielstätten stehen.

Das Stockwerk wird in Gold angezeigt

Das Stockwerk wird in Gold angezeigt

Detskij Mir

Nach der Vorstellung sind wir zu Detskij Mir gegangen, das man bei Google eher unter dem Titel Central Children’s Store on Lubyanka oder zentrales Kinderkaufhaus an der Lubjanka findet.

Das Bolschoi-Theater aus Lego

Das Bolschoi-Theater aus Lego

Auf 7 Stockwerken findet sich hier alles, was das Kinderherz begehrt: Spielzeug, Spielzeug und nochmals: Spielzeug. In allen erdenklichen Formen und Farben kann man hier einfach alles kaufen, was nicht nur Kindern gefällt.

Varya hatte an einigen Stelle wirklich damit zu kämpfen, mich wegzubekommen. Zu faszinierend sind all die tollen Sachen.

Diese Rakete ist das derzeit größte Legomodell der Welt

Diese Rakete ist das derzeit größte Legomodell der Welt

Moskau und die Weltraumthematik gehören einfach zusammen

Moskau und die Weltraumthematik gehören einfach zusammen

Doch nicht nur wegen der Spielzeuge lohnt sich ein Besuch im größten Spielzeugladen Europas. Das Gebäude ist nicht nur von außen schön anzusehen, sondern man kann auch noch aufs Dach steigen. Eine kleine Aussichtsplattform kann kostenfrei besucht werden und bietet die Möglichkeit vier der sieben Schwestern, den Kreml mit allen Türmen und Kirchen und die Basilius-Kathedrale zu bestaunen – die örtliche Nähe zum Kreml und zum roten Platz macht’s möglich.

Aussichtsplattform von Detskij Mir

Aussichtsplattform von Detskij Mir

Aussicht von Detskij Mir

Aussicht von Detskij Mir

Gefangen in einer Zeitspirale

Gefangen in einer Zeitspirale

Abendessen bei Varenichnaya

Mit Hunger haben wir uns auf den Weg zur Arbat gemacht. Diese Straße im historischen Zentrum von Moskau ist zugleich neben dem roten Platz und dessen Umgebung wohl auch das touristische Zentrum Moskaus. Die Vielzahl an historischer Bauten, Möglichkeiten Souvenirs zu kaufen und essen und trinken zu gehen ist einfach zu verlockend. Egal zu welcher Zeit man hierher kommt, es ist immer etwas los: Tausende von Menschen schieben sich durch die Fußgängerzone und alle paar Meter zeigen Straßenkünstler ihr Können.

Arbat

Arbat

Die Zeitspirale vom letzten Bild aus dem Spielzeugkaufhaus Detskij Mir muss ihre Nachwirkung gezeigt haben, denn auf der Arbat hat es uns zum Essen zu Varenichnaya geführt.

Varenichnaya

Varenichnaya

Dieses Restaurant ist Teil einer kleinen, lokalen Kette mit einem ganz besonderen Konzept: Wirklich alles in diesem Laden erinnert an alte Sowjetzeiten: Die Gerichte, die Einrichtung inklusive der Tapete und jeder Menge Staubfänger, ja sogar auf Fernsehern an den Wänden laufen alte Sowjetfilme und die passende Musik wird auch noch gespielt. Was nicht nur verklärt kitschig klingt ist es schlussendlich auch. Dennoch: Wo, wenn nicht in Moskau kann man solch ein Konzept überzeugend anbringen?

Gastraum von Varenichnaya

Gastraum von Varenichnaya

Und wenn dann das Essen auch noch lecker schmeckt und der Service einem jeden Wunsch von den Augen abliest: Was könnte man mehr wollen? Einen günstigen Preis vielleicht? Für 600 Rubel wurden wir bei Varenichnaya vielleicht nicht pappsatt, aber es war sogar noch ein Nachtisch drin. Für diese Lage, Qualität und den Service eine absolute Empfehlung.

Spaziergang über Arbat und die neue Arbat

Als wir mit dem Essen fertig waren haben wir im mittlerweile dunklen Moskau einen Spaziergang bis ans Ende der Arbat gemacht, von wo aus eine der sieben Schwestern steht, das heute Sitz des Außenministeriums der Russischen Föderation ist. Es erfüllt mich immer wieder mit Erfurcht, wenn ich vor einem dieser riesigen Betonklötze stehe. Als Wochenendnomade bin ich erklärter Gegner von Luxushotels und nutze mein Budget lieber für unvergessliche Erinnerungen anderer Art. Aber irgendwann werde ich einmal im Hotel Leningradskaya oder sogar im Hotel Ukraina unterkommen. Diese beiden sind die meines Wissens nach einzigen öffentlich zugänglichen Stalin-Hochhäuser.

Außenministerium der Russischen Föderation

Außenministerium der Russischen Föderation aus der Ferne

Außenministerium der Russischen Föderation

Außenministerium der Russischen Föderation

Nachdem mich Varya nach einer intensiven Fotosession weggezerrt hat, hat es uns noch zur neuen Arbat gezogen. Diese steht im totalen Kontrast zur Arbat: Keine Fußgängerzone, sondern eine vielbefahrene Straße, zu deren Seite sich ein breiter Fußweg mit modernen Gebäuden befindet, wo sich aber ebenfalls viele Bars und Restaurants angesiedelt haben. Auch hier sind viele Menschen unterwegs, aber es sind bedeutend mehr Einheimische als auf der alten Arbat.

Am Übergang zwischen neuer und alter Arbat sind wir noch bei Zhiguli eingekehrt und haben ein russisches Bierchen getrunken. Der Laden wäre mit seiner Kantinenatmosphäre eigentlich nicht weiter erwähnenswert. Der nach einer sowjetishen Automarke benannte Laden hat aber genau vor dem Lokal eine nette Kleinigkeit: Drei Autos von exakt dieser Marke in allen Ampfelfarben; eine nette Abwechslung zu den ansonsten vorherrschenden S-Klassen, 7er BMWs und Audi A8 in dieser Gegend.

Drei Zhiguli auf einen Streich

Drei Zhiguli auf einen Streich

Tag 3

Unser Hotel in Moskau haben wir bereits viele Monate vor Reiseantritt gebucht. Zu diesem Zeitpunkt war im Flugplan von Pobeda noch kein Samstagsflug ab Memmingen nach Moskau vorgesehen, sodass wir unseren Trip montags starten wollten. Mit dem neuen Flugplan kam ein weiterer Transfer am Samstag hinzu. Die Frage, ob wir den Aufenthalt verlängern, ohne zusätzlichen Urlaub nehmen zu müssen haben wir uns dann gar nicht erst gestellt. Trotz weiterhin vieler Monate haben sich bereits schon erste Auswirkungen der anstehenden Weltmeisterschaft gezeigt: Die Preise sind deutlich angezogen. Wir haben daher die erste Hotelreservierung beibehalten, auf die wir ab diesem Tag zurückgreifen konnten. Damit verbunden war allerdings auch ein Hotelumzug.

„Hotel“ ist in diesem Kontext wohl eher der falsche Ausdruck: Das Mini Hotel KB na Taganke – Marksistskaya ist eine ehemalige Wohnung in einem der typischen, russischen Plattenbauten und von außen nicht als Fremdenzimmer zu erkennen. Erst ein Anruf vor Ort gab den entscheidenden Hinweis, wo wir zu klingeln hätten. Ohne Varyas Russischkenntnisse wären wir wohl ziemlich aufgeschmissen gewesen. Die Betreiberin der Unterkunft war zwar herzlich und brachte jeden Morgen ein ausgesprochen herzhaftes Frühstück aufs Zimmer, konnte aber kein Wort englisch. Zum Preis von 103 Euro für drei Nächte inklusive Frühstück für zwei Personen waren wir auf alle Fälle glücklich.

Kreml in Ismailowo

Bei meinem ersten Russlandtrip war ich an dem Ort, den man gemeinhin unter dem Namen Kreml kennt. Dies ist der älteste Moskaus. In Moskau gibt es jedoch auch noch einen weiteren Kreml. Dieser wurde jedoch erst 2001 fertiggestellt und verfolgt einen ganz anderen Zweck. Während der bekannte Kreml als Festung dem Schutze seiner Einwohner diente, ist davon im Kreml in Ismailowo nichts festzustellen. Auf den ersten Blick wirken die Gebäude alle authentisch. Mit Schnee und kaltem Wind würde es die perfekte Szenerie für einen alten, sowjetischen Märchenfilm ergeben.

Blick auf den Kreml in Ismailowo

Blick auf den Kreml in Ismailowo

Sobald man die als Freizeit- und Kulturpark im Nordosten von Moskau geplanten Gemäuer einmal betreten hat sieht man jedoch: Das hier ist nicht authentisch, sondern kitschig. Wild zusammengewürfelte Holzhütten stehen neben knallbunten Märchenschlössern im Disneystil. Dazwischen gibt es haufenweise Läden mit Kitsch, westlichem Essen und viel Lärm. Über Lautsprecher werden russische Volkslieder mit Technobeat gespielt und schlussendlich wirkt der Kreml in Ismailowo wie ein komprimiertes Klischee Russlands.

Kreml in Ismailowo

Kreml in Ismailowo

Ich denke, ich werde den Kreml in Ismailowo wohl nicht nochmal besuchen, bereue es aber auch nicht hier gewesen zu sein. Als ich erfahren habe, dass es in Moskau einen zweiten Kreml gibt wurde ich nämlich ziemlich neugierig. Und möglicherweise hatte ich auch einfach die falsche Erwartung. Wer schon vorher weiß, dass er ein russisches Disneyland besucht wird sicherlich weniger enttäuscht sein als ich. Und dass der Besuch im Kreml in Ismailowo keinen Eintritt kostet lässt einen vielleicht auch nochmal eher einen Versuch wagen.

Gorki-Park

Zurück zu einem echten Stück Moskau. Zurück an einen Ort, dessen Namen jeder dank der Scorpions kennt: Follow the moskva, down to Gorki-Park. Genau das taten wir.

Eingang zum Gorki-Park

Eingang zum Gorki-Park

Von vielen Städten sagt man, dass sie niemals schlafen. In Moskau würde ich es umformulieren: Moskau ist die Stadt, die niemals ruht. Dass es in Moskau lauter ist als in jeder anderen Stadt, in der ich jemals war ist eine das erste was mir in den Sinn kommt, wenn ich an meinen ersten Trip zurückdenke. Das gilt sogar in den Parks, wo Lautsprecher in den Bäumen hängen und russische Popmusik gespielt wird. So wird man hier im Gorki-Park zwar nur wenig Ruhe, aber dafür umso mehr Abwechslung finden: jede Menge Streetfood-Stände, eine Skateanalage, Fahrradverleih und zeitgenössische Kunst.

Garage museum of contemporary art

Die zeitgenössische Kunst findet man im Museum Garage für 500 Rubel im Herzen des Gorki-Parks.

Garage museum of contemporary art

Garage museum of contemporary art

Ein Besuch klappte für uns erst im dritten Anlauf: Die beiden Jahre zuvor waren wir jeweils im August hier und es fand gerade ein Wechsel der Ausstellung statt. Dies ist umso mehr schade, als dass uns die Ausstellung in diesem Jahr so ganz und gar nicht angesprochen hat: Aufnahmen eines deutschen Fotografen, der Aufnahmen der deutschen Weltmeister 2014 und der Emotionen der Fans während des Finals portraitiert hat, Instrumente, die man nicht selbst nutzen durfte und unten ein Mitmachbereich mit 3D-Druckern.

Garage museum of contemporary art im ersten Stockwerk

Garage museum of contemporary art im ersten Stockwerk

Insgesamt war der Besuch ernüchternd und als kleines Highlight blieb eigentlich nur ein Rückblick auf die letzten zehn Jahre seit Eröffnung von Garage. Dieser Rückblick zeigte auch, welches Pech wir hatten. In anderen Jahren war wirklich interessante Kunstwerke ausgestellt und wir werden wieder kommen.

Garage museum of contemporary art innen

Garage museum of contemporary art innen

Der Besuch lohnt sich nämlich eigentlich alleine, um das Foyer und den Museumsshop zu besuchen. Insbesondere dieser lädt dazu ein, sich stundenlang zwischen kleinen Mitbringseln und Büchern zu allen Aspekten moderner Kunst zu durchzuwühlen.

Museumsshop im Garage Museum of Contemporary Art

Museumsshop im Garage Museum of Contemporary Art

Communist-Tour

Die Free Walking-Tour haben wir selbstverständlich schon im ersten Jahr absolviert und inzwischen kennen wir Moskau auch schon richtig gut. Um also tiefer in die Geheimnisse Moskaus einzutauchen und meine Neugier nach der sowjetischen Geschichte der Stadt zu befriedigen, haben wir an der Communist-Tour desselben Anbieters teilgenommen. Für 1700 Rubel führte die Communist-Tour über zweieinhalb Stunden durch die Innenstadt Moskaus und förderte so manches Geheimnis zu Tage.

Um die Spannung nicht vorwegzunehmen, habe ich von den einzelnen Stationen nur jeweils ein kleines Element herausgepickt um ein Gefühl dafür zu geben, welche Themen abgedeckt und welche Orte besucht werden.

Lubjanka-Platz

Startpunkt war der Lubjanka-Platz, wo alle Autointeressierten die Wartezeit bis zum Start der Tour sinnvoll nutzen können, einfach die Straße im Auge zu behalten: Edelkarossen und Supersportwagen fahren hier im Sekundentakt vorbei: Ob nun Rolls Royce oder McLaren – kaum ist einer weg, kommt schon der nächste angerollt.

Typischer Anblick am Lubjanka-Platz - Audi R8, Bentley Continental und ganz versteckt ein Rolls Royce

Typischer Anblick am Lubjanka-Platz: Audi R8, Bentley Continental und ganz versteckt ein Rolls Royce

Dieser Anblick steht im totalen Kontrast zur Geschichte des Ortes, die man dann als erstes erfährt. Während die Autobesitzer sichtlich stolz ihren Besitz zur Schau stellen und ihre Freiheit genießen, erzählen die Mauern der Lubjanka die Geschichte des KGB.

Tretyakovski-Straße

In der Tretyakovski-Straße setzt sich der Kontrast fort: Was in der Sowjetunion undenkbar gewesen wäre, wurde hier Wahrheit. Es reihen sich Luxusgeschäft an Luxusgeschäft und nur die teuersten Marken finden hier Eingang durch das Tor.

Tretyakovski-Straße

Tretyakovski-Straße

Hotel Metropol Moscow

Am Hotel Metropol Moscow sind mir im Vorbeilaufen bis dahin eigentlich immer nur die Protzukarren aufgefallen. Dank unseres Guides Nick wurden wir jedoch auf eine Plakette hingewiesen, die den Hauptakteur der russichen Revolution zeigt. Lenins Gesicht findet man zwar hunderfach in der Stadt, aber auf dieser Abbildung geht er in der Menge unter.

Erinnerung an die Oktoberrevolution

Erinnerung an die Oktoberrevolution

Theaterplatz

Eine sehr offensichtliche Erinnerung an die kommunistische Vergangenheit Moskaus ist die riesige Karl Marx-Büste. Bedeutend dezenter hingegen fällt eine weitere Plakette aus, die direkt am Bolschoi-Theater angebracht ist und uns beiden beim Besuch nur einen Tag zuvor nicht aufgefallen ist.

Erinnerung an die Gründungs der UdSSR

Erinnerung an die Gründungs der UdSSR

Tsum

Einen kleinen Regenschauer überbrückten wir um Konsumtempel Tsum, das ähnlich wie die Tretyakovski-Straße nur teure Labels verkauft. Während man im ähnlich klingenden Kaufhaus GUM auch eine günstige Kantine, leckeres Eis und Limonade zum Schnäppchenpreis findet, muss man im Tsum für alles tief in die Tasche greifen. Ohne Zweifel ein Ort, an dem ich mich als Wochenendnomade nicht wohl fühle.

Treskaya-Straße und Rathaus Moskau

Die Treskaya-Straße führt vorbei an einer Reiterstatue mit dem Stadgründer Moskaus Fürst Juri Dolgoruki, dessen Wirken selbstverständlich weit vor der kommunistischen Phase des Landes lag.

Stadgründer Moskaus Fürst Juri Dolgoruki

Stadgründer Moskaus Fürst Juri Dolgoruki

Das Rathaus Moskaus geht in der Menge der schönen Häuser hier unter und obwohl ich schon mehrfach daran vorbei gelaufen bin, habe ich es bis zu diesem Zeitpunkt nie eines intensiveren Blickes gewürdigt. Definitiv genauer schaut man sich den Bau allerdings dann an, wenn man auf der Tour die Geschichte zu seinem heutigen Standort erfährt.

Rathaus Moskau

Rathaus Moskau

Feinkostladen Jelissejew

Gegen Ende der Tour wurden nochmal die Kontraste zwischen dem Alltag in der Sowjetzeit und der Phase davor gezeigt, deren Spuren aber auch heute noch zu sehen sind. Der von außen unscheinbare Feinkostladen Jelissejew stammt noch aus der Zarenzeit und nach dem Betreten kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die prunkvolle Architektur lässt eigentlich kaum vermuten, dass man sich hier im Endeffekt in einem simplen Supermarkt befindet.

Interieur im Feinkostladen Jelissejew

Interieur im Feinkostladen Jelissejew

Die verkauften Waren sind nicht ausschließlich Luxusgüter und die Preise etwas höher als anderswo, aber der Unterschied fällt eher gering aus. Man kann es sich also durchaus erlauben, hier einen kleinen Einkauf ohne Gewissensbisse durchzuführen.

Feinkostladen Jelissejew

Feinkostladen Jelissejew

Das Ende der Tour war dann nach kurzweiligen zweieinhalb Stunden an der Puschkinskaja. Die Tour hat uns zwar nicht an viele neue Orte gebracht, aber viele Geheimnisse hinter diesen Orten gelüftet. Von Nick haben wir uns am Ende auch noch ein paar Geheimtipps geben lassen, was sich sonst noch zu besuchen lohnt.

Abendessen bei Khachapuri

Gerne hätte ich von unserem sympathischen Guide Nick noch viel mehr erfahren, da die Zeit wie im Flug verging. Aber der lange Tag machte sich langsam in Form von Hunger bemerkbar. Auf seine Empfehlung hin suchten wir das georgische Restaurant Khachapuri auf. Trotz seiner zentralen Lage konnte ich bei Khachapuri für nur 1250 Rubel Chinkali als Vorspeise, eine große Portion Chicken Kebap mit Brot und Backkartoffeln, mehreren leckeren Soßen und eine hausgemachte Mandarinenlimonade erhalten.

Abendessen bei Khachapuri

Abendessen bei Khachapuri

Craft Station

Nach einem Abendspazierung durchs moskauer Zentrum haben wir noch ein Bierchen bei Craft Station getrunken. Wir hatten zwar das Glück, umgehend einen freien Platz im eigentlich vollen Lokal zu finden, uns stand jedoch noch der schwerste Teil bevor: Die Wahl des richtigen Bieres treffen. Bei einer Bar mit über 70 verschiedenen gezapften Sorten fiel das nicht ganz einfach. Dank der Beratung konnten wir schlussendlich aber einen Erfolg verzeichnen. Die Bierpreise starten bei 200 Rubel.

Craft Station

Craft Station

Tag 4

Das Frühstück in unserem „Hotel“ war etwas gewöhnungsbedürftig: Gebratene Hähnchenbrust mit Nudeln und Ketchup.

Frühstück bei My My

Bei My My nahmen wir deshalb noch ein zweites Frühstück zu uns. Für 137 Rubel bekamen wir bei My My einen Muffin und einen Kaffee. Die Kette kann ich übrigens guten Gewissens empfehlen: Man findet sie überall in Moskau und bekommt in der Selbstbedienung für wenig Geld gutes Essen, das zum Teil auch echt authentisch ist.
Die erste Erledingung des Tages war für uns dann, Varyas Fan-ID im FIFA-Besucherzentrum abzuholen. Meine hatte ich ja bereits bei der Einreise benötigt, weshalb sie mir noch in Deutschland auf dem Postweg zugeschickt wurde. Die Organisation der Volunteers war besser als in jeder deutschen Amtsstube: Nummer ziehen, Unterlagen einreichen, Fan-ID abholen. In kürzester Zeit waren wir schon wieder weg.

Kosmonautenmuseum

Auf diesen Besuch hatte ich mich schon vor unserer Abreise gefreut. Seit einiger Zeit schon finde ich die gesamte Raumfahrtthematik wahnsinnig interessant, obwohl ich mich eigentlich Zeit meines Lebens nie damit auseinandergesetzt habe. In Hollywood-Filmen wird immer die Landung auf dem Mond als historisches Großereignis dargestellt. Dabei sind die sowjetischen Errungenschaften in der Raumfahrt nicht nur prägender, sondern auch sehr viel häufiger: Erstes Objekt im Weltall, erstes Lebewesen im Weltall, erster Mensch im Weltall, erster Weltraumspaziergang, erste Frau im Weltall – die Liste ließe sich vermutlich noch um viele weitere Ereignisse erweitern.

Kosmonautenmuseum

Kosmonautenmuseum

Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an das Kosmonautenmuseum, das wir dank Fan-ID für 150 Rubel – also 100 Rubel weniger als sonst – besuchen konnten. Bereits aus der Ferne ist es deutlich zu erkennen an dem Monument einer startenden Rakete. Mit jedem Schritt, den wir näher kamen, wurde mein Puls schneller.

Der erste Schritt ins Museum war eine Mischung aus Enthusiasmus und Ernüchterung: Auf einen Blick konnte man jede Menge wichtige Objekte aus der Geschichte russischer Raumfahrt sehen. So nah dran zu sein an Sateliten, Raumanzügen und Modellen bescherte mir eine dicke Gänsehaut, aber die Ausstellungsfläche war auch nicht sonderlich groß. So zumindest zunächst meine Annahme. Nachdem ich mich über eine Stunde intensiver mit der Ausstellung auseinandergesetzt hatte, war ich eigentlich auch schon zufrieden.

Erster Ausstellungssaal im Kosmonautenmuseum

Erster Ausstellungssaal im Kosmonautenmuseum

Dann aber stellte ich fest: Da geht es ja sogar noch weiter! Durch eine Tür ging es in einen weiteren Teil des Museums, der um ein Vielfaches größer war. Während der erste Raum vorallem die sowjetische Raumfahrt abdeckte, konnte man im bedeutend größeren Abschnitt des Hauses einfach alles sehen, was irgendwie mit dem Weltall zu tun hat.

Ein kleiner Teil des großen Ausstellungssaals im Kosmonautenmuseum

Ein kleiner Teil des großen Ausstellungssaals im Kosmonautenmuseum

Zwei Stockwerke mit allem, was einem zum Thema Weltall einfällt

Zwei Stockwerke mit allem, was einem zum Thema Weltall einfällt

Auch nach guten drei Stunden hatte ich noch immer das Gefühl, nur einen groben Eindruck gewonnen zu haben und alles zumindest mal angeschaut zu haben. Was auch dazu beigetragen hat war, dass zwar manche Schilder neben russich auch auf englisch waren, aber leider traf das nur auf den kleineren Teil zu. Würde man alles lesen, könnte man hier vermutlich Tage zubringen, sich von der Astronautennahrung aus dem Automaten ernähren und immer wieder in Staunen versetzt zu werden.

Im Kosmonautenmuseum findet man Hammer & Sichel häufig, aber die Ausstellung ist nicht auf sowjetische Raumfahrt beschränkt

Im Kosmonautenmuseum findet man Hammer & Sichel häufig, aber die Ausstellung ist nicht auf sowjetische Raumfahrt beschränkt

WDNCh – Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft

Zum Übernachten sind wir aber nicht hergekommen und der enge Zeitplan ließ es leider auch nicht zu, erneut das benachbarte WDNCh-Gelände zu besuchen. Ich kann mich aber noch sehr gut an meinen ersten Besuch vor zwei Jahren hier erinnern.

WDNCh - Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft

WDNCh – Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft

Wer die Zeit hat und sowieso schon hier ist, sollte dem WDNCh-Park mit freiem Eintritt unbedingt einen Besuch abstatten. Zumal es den Besuch des Kosmonautenmuseums komplettiert. Auf einer Startrampe aufgebaut sieht man hier nämlich einen Nachbau der Wostok-Rakete, die Juri Gagarin einstmals sicher ins Weltall befördert hat.

Nachbau der Wostok-Rakete

Nachbau der Wostok-Rakete

Auch darüber hinaus kann man sehen, wofür dieser Park einstmals erstellt wurde: Eine Art Weltausstellung, die sich jedoch auf die Präsentation der Errungenschaften in der Sowjetunion beschränkte.

Ostankino-Fernsehturm

In der Nähe befindet sich auch Europas höchstes Bauwerk: Der Ostankino-Fernsehturm. Ein spontaner Besuch dürfte hier sicherlich schwer fallen und ich empfehle dringend, vorab online einen Slot zu buchen. Die Sicherheitsstandards sind vergleichbar hoch wie an einem Flughafen inklusive Taschenleeren, Abscannen und sogar Kontrolle des Reisepasses, den man zwingend dabei haben muss.

Denkmal Für die Eroberer des Weltraums auf dem Dach des Kosmonautenmuseums mit dem Fernsehturm Ostankino im Hintergrund

Denkmal Für die Eroberer des Weltraums auf dem Dach des Kosmonautenmuseums mit dem Fernsehturm Ostankino im Hintergrund

Großer Moskauer Staatszirkus

Für uns ging es an diesem Tag nun weiter in Richtung des großen Moskauer Staatszirkus mit den in Russland allen bekannten Zapashny-Brüdern. Etwas ungewöhnlich findet die Vorstellung nicht in einem mobilen Zelt, sondern einer großen Arena mit Plätzen für mehrere tausend Zuschauer statt.

Arena des großen Moskauer Staatszirkus

Arena des großen Moskauer Staatszirkus

Varya und ich sind einerseits große Freunde vom Zirkus und lassen uns hier gerne in fremde Welten entführen. Tiernummern betrachten wir beide – Varya als Vegetarierin sicherlich sogar noch mehr als ich – mit Skepsis. In Deutschland führt das immer wieder zu Diskussionen und etwa der Zirkus Roncalli hat daraus seine Schlüsse gezogen und alle Tiernummern aus dem Programm gestrichen.

Diskussionen wie diese scheinen in Russland jedoch gar nicht erst zu entstehen: Tiger, Löwen, Pferde, Hunde, Affen und sogar ein Bär war ein vollkommen selbstverständlicher Teil der Revue.

Dies einmal ausgeblendet handelt es sich aber ohne Zweifel um einen erstklassigen Zirkus mit herausragenden Artisten, in dem man sich für drei Stunden inklusive halbstündiger Pause perfekt unterhalten lassen kann.

Ensemble des großen Moskauer Staatszirkus

Ensemble des großen Moskauer Staatszirkus

Sperlingshügel

Wer beim großen Moskauer Staatszirkus war, sollte nach der langen Zeit des Sitzens in Erwägung ziehen, einen kleinen Spaziergang zu machen. Als Ziel eignet sich der Sperlingshügel perfekt. Nicht nur hat man hier eine tolle Sicht über Moskau und die Moskva direkt vor einem, sondern hier kommt die Skyline von Moscow City auch so richtig zur Geltung.

Aussicht vom Sperlingshügel

Aussicht vom Sperlingshügel

Abendessen bei Brisket Barbecue

Ausnahmsweise haben wir mal etwas absolut untypisches gegessen. Brisket Barbecue wurde von einer Freundin Varyas empfohlen, die wir hier trafen. Ihre Empfehlung kann ich definitiv weiterreichen: Wer das Rindfleisch bestellt, das erst nach 14 Stunden aus dem Smoker genommen wurde benötigt kein Messer mehr.

Smoker bei Brisket Barbecue

Smoker bei Brisket Barbecue

Das Fleisch ist so zart, dass es auf der Gabel zerfällt. Der Preis für dieses Mahl inklusive einer Beilage und eines Getränks liegt bei Brisket Barbecue bei 1000 Rubel – nicht ganz günstig, aber zweifelsohne angemessen.

Abendessen bei Brisket Barbecue

Abendessen bei Brisket Barbecue

Tag 5

Nach meinem ersten Besuch blieb mir von Moskau insbesondere eine Tatsache in Erinnerung: Lärm! Egal wohin man geht, man hat nirgendwo mal ein stilles Örtchen. Das dachte bis zu diesem Ausflug zumindest. Doch an diesem Tag fanden wir endlich genau den stillen Rückzugsort, den man nach einer Überdosis Moskau möglicherweise vermisst; zumindest gilt dies bis zur Mittagszeit.

Kaffee bei Café Andersen

Als wir vor 11 Uhr ankamen, war hier noch absolute Totenstille und als einzige Gäste des Café Andersen holten wir uns für 262 Rubel einen Kaffee und eine gefüllte Waffel, auf die es sogar noch einen To Go-Rabatt gab.

Café Andersen

Café Andersen

Zarizyno-Park

Als mit die ersten Gäste des Tages konnten wir in aller Runde eine Runde um den See drehen und dem singenden Musikbrunnen mit klassischer Musik lauschen – so ganz ohne Beschallung geht es in Moskau eben doch nicht.

See im Zarizyno-Park

See im Zarizyno-Park

Doch der Park hat nicht nur die Grünanlage zu bieten, sondern auch einen großen Palast. Da wir sowieso vor hatten länger zu bleiben, haben wir deshalb Tickets für die große Tour im Zarizyno-Park für 780 Rubel entschieden. Online wäre die Tickets übrigens teurer gewesen.

Schloss im Zarizyno-Park

Schloss im Zarizyno-Park

Zu sehen bekamen wir neben den Innenräumen des Palasts eine Menge Hintergrundinformationen. So wurde der Palast auf Wunsch der aus Preussen stammenden Zarin Katharina der Großen gebaut, jedoch nie ernsthaft genutzt.

Zarin Katharina die Große im Schloss

Zarin Katharina die Große im Schloss

Zur großen Tour zählen neben dem Palast noch das House of bread, drei Gewächshäuser, das Opernhaus und eine Sommerdatscha.

Schlossanlage im Zarizyno-Park

Schlossanlage im Zarizyno-Park

Da der Besuch von alledem durchaus länger dauern kann – wir waren bis zum Nachmittag hier – wird früher oder später Hunger einkehren. Aber das alles stellt kein Problem dar, da Cafés, Imbissstände und alles Weitere gibt, um sich zu versorgen.

Gebäude im Zarizyno-Park

Gebäude im Zarizyno-Park

Wir selbst haben im Restaurant im Obergeschoss gegessen. Für 300 Rubel gab es mehrere Gebäcksachen sowie einen Softdrink.

Juri Gagarin-Denkmal

Spätestens nach dem Besuch im Kosmonautenmuseum stand für mich fest, dass ich unbedingt zum Juri Gagarin-Denkmal möchte. In futurischer Pose als Raketenmann wacht Juri auf einer Stele weit über der Leninskaya, was es leider nicht ganz einfach macht, ein Foto von ihm zu machen. Aber auch ohne ein richtig gutes Bild fühlte es sich so an, als wäre man ihm ganz nah.

Juri Gagarin-Denkmal

Juri Gagarin-Denkmal

Schuchow-Radioturm

Im Vergleich zum Ostankino-Fernsehturm mit seiner gewaltigen Höhe von 540 Metern wirkt der Schuchow-Radioturm mit 150 Metern geradezu zwergenhaft. Man merkt, dass er aus einer ganz anderen Zeit stammt und wird inzwischen von den meisten Gebäuden in seiner Umgebung nicht nur umringt, sondern geht weitestgehend im Häusermeer unter.

Schuchow-Radioturm

Schuchow-Radioturm

Abendessen bei Dizengof 99

Zu Abend haben wir in einem kleinen, israelischen Restaurant nicht weit weg von unserer Unterkunft. Gefunden haben wir es durch Zufall und von außen sah das Restaurant in einem Hinterhof eigentlich mehr wie eine Garage aus. Viele Plätze gab es drinnen auch nicht, aber wir hatten Glück: Als wir reinkamen haben gerade zwei Personen gezahlt, deren Plätze wir einnehmen konnten. Das Lokal dürfte im Hipsterranking der Stadt auf den vordersten Plätzen liegen und trotz der vergleichsweise wenigen Plätze war hier die ganze Zeit geschäftiges Treiben.

Dizengof 99

Dizengof 99

Für 755 Rubel aß ich bei Dizengof 99 Hummus mit Rindfleisch, zwei Pita-Broten und trank ein leckeres, belgisches Kirschbier.

Abendessen bei Dizengof 99

Abendessen bei Dizengof 99

Tag 6

Das Traurige an diesem Tag: Es war der letzte Tag in Moskau.
Das Erfreuliche an diesem Tag: Am Abend ging die Fahrt weiter nach St. Petersburg. Aber eines nach dem anderen.

Unser Gepäck haben wir am Morgen am moskauer Leningradsky-Bahnhof für 500 Rubel eingeschlossen.

Metrostation des Leningradsky-Bahnhof

Metrostation des Leningradsky-Bahnhof

Winzavod

Als erste Station haben wir etwas angesteuert, was wir im Jahr zuvor schon einmal vergeblich versucht hatten. Da wir damals irgendwann aber vom Regen total durchgeweicht waren, haben wir die Suche abgebrochen. Wie sich nun herausstellt: Nur 150 Meter vom Ziel entfernt. Hätte ich damals gewusst, was mich erwartet, wäre ich die paar Meter wahscheinlich auch noch weiter gelaufen.

Eingang zu Winzavod

Eingang zu Winzavod

Ziel war das Künstlerviertel Winzavod. Es finden sich ein paar Souvenierläden mit etwas ungewöhnlicheren Mitbringseln und eine ganze Reihe offener Galerien, wo man die Kunstwerke nicht nur bestaunen, sondern auch kaufen kann.

Professionelles Posing in Winzavod

Professionelles Posing in Winzavod

Highlight an diesem Ort ist aber ohne Zweifel das Kunstmuseum Winzavod für 500 Rubel Eintritt. Wer die beiden Stockwerke im modernen Gebäude gesehen hat, wo sich auch die Kasse befindet darf keinesfalls vergessen, auf der anderen Straßenseite das alte Backsteinhaus zu besichtigen.

Zunächst einmal muss man einer langen Treppe tief hinab in einen alten Weinkeller folgen. Wie auch im anderen Gebäude wird hier zeitgenössische Kunst ausgestellt. Im Gegensatz zu dort wirken die Werke hier aber nicht willkürlich zusammengewürfelt, sondern wie aus einem Guss.

Weinkeller von Winzavod

Weinkeller von Winzavod

Es wird eine ganz besondere Atmosphäre erzeugt und ich konnte irgendwann feststellen, dass im Keller von Winzavod wirklich alle Sinne angesprochen werden: Im Gegensatz zur Hitze draußen war es angenehm kühl. Der Ort hatte eine ganz eigene Akustik und aus verschiedenen Ecken hallten unterschiedliche Installationen durchs Gemäuer. Der Boden knarzte bei jedem Schritt unter den Füßen und es lag ein alter, modriger Geruch in der Nase. Dass es dazu nur stellenweise beleuchtet war und die Finsternis überwog, sorgte nach und nach immer mehr dafür, dass man sich eher in die Szenerie eines Horrorfilms versetzt fühlte.

Verstörende Kunst bei Winzavod

Verstörende Kunst bei Winzavod

Dass an manchen Stellen Ausstellungsstücke in einem separaten Bereich hinter Vorhängen waren sorgte auch nicht gerade für ein behagliches Gefühl. Ganz im Gegenteil: Man hat die Vorhänge jedes Mal mit einem muligen Gefühl bei Seite geschoben.

Ich fand dieses Erlebnis irrsinnig und kann meine uneingeschränkte Empfehlung für all jene aussprechen, die sich für stimmungsvolle Kunst begeistern können.

Mittagessen bei Khitryye Lyudi

Für 645 Rubel aß ich direkt auf dem Winzavod-Gelände bei Khitryye Lyudi Chicken Tabaka und eine Limonade für 645 Rubel. Trotz guter Bewertungen bei Tripadvisor kann ich hier im Gegensetz zum Rest von Vinzavod nur abraten: Es lief furchtbares 90er Jahre Yuppie-Gedudel, Varyas Essen war kalt und meines schmeckte nach einem Hauch von nichts.

Khitryye Lyudi

Khitryye Lyudi

Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft

Wir gingen davon aus, uns rechtzeitig auf den Weg zum Fanfest gemacht zu haben, um beim Public Viewing das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft zwischen Russland und Saudi-Arabien anzuschauen. Damit hatten wir uns aber getäuscht. Einerseits sind die Distanzen in Moskau einfach riesig und selbst die nächstgelegene Haltestelle zum Fanfest an der Universität war eine eine gute halbe Stunde entfernt. Dazu kam, dass jede Menge begeisterter Fans sich auf den Weg gemacht haben. Das waren am Ende so viele, dass man uns gar nicht mehr aufs Gelände ließ. Laut Medienberichten am Folgetag sollen 400.000 Menschen dort gewesen sein.

FIFA Fan Fest

FIFA Fan Fest

Aufs Fanfest kamen wir nicht, wegen des hohen Andrangs war die Metrostation in der Nähe gesperrt – uns blieb also nicht viel übrig, als uns zu Fuß wegzubewegen

Zentrale der Russischen Akademie der Wissenschaften

Durch Zufall fanden wir einen kleinen Geheimtip: Eine Aussichtsplattform in der Nähe der Zentrale der Russischen Akademie der Wissenschaften, deren Gebäude man auch „Goldenes Hirn“ nennt.

Zentrale der Russischen Akademie der Wissenschaften

Zentrale der Russischen Akademie der Wissenschaften

Goldenes Hirn

Goldenes Hirn

Von hier aus konnte man nicht nur fünf der sieben Schwestern und Moscow City sehen konnte, sondern sogar das Stadion, in dem just in diesem Moment das Eröffnungsspiel stattfinden sollte.

Lishniki-Stadion

Lishniki-Stadion

Moscow City

Moscow City

Auf der anderen Seite der Moskva liefern wir parallel zu einer gesperrten Straße. Die Weltmeisterschaft hat hier etwas unmöglich scheinendes vollbracht: Abgesehen von ein paar ganz besonderen Menschen in dicken, schwarzen Limousinen alle paar Minuten war hier niemand unterwegs.

Abendessen bei Nash Khleb

Kurz vor Abfahrt unseres Nachtzugs haben wir noch am Bahnhof etwas gegessen. Die Kombo aus Hot Dog und Bier gab es bei Nash Khleb für 300 Rubel.

Nachtzugfahrt von Moskau nach St. Petersburg

30 Minuten vor Abfahrt sind wir in den Zug gestiegen. Standesgemäß wird man bei der russichen Bahn von Zugbegleitern in adretten Uniformen und mit einer kritischen Prüfung aller Unterlagen begrüßt. Für konnten dem ganzen Prozedere jedoch sehr gelassen entgegenblicken: Dank unserer Fan-ID und einer Vorabreservierung war der Transfer zwischen Moskau und St. Petersburg kostenlos.

Leningradsky-Bahnhof

Leningradsky-Bahnhof

Doch es sollte noch besser kommen: Unsere Kabine war auch bis zur pünktlichen Abfahrt um 22:50 Uhr nur von uns besetzt. Da der Zug keinen Zwischenstop vorsah hieß das, dass wir das Vier-Personen-Abteil für die gesamte planmäßig abgelaufene Fahrdauer bis kurz vor 7 Uhr für uns zu zweit hatten.

Im Nachtzug von Moskau nach St. Petersburg

Im Nachtzug von Moskau nach St. Petersburg

St. Petersburg

Tag 7

Varyas Mutter hat uns direkt am Bahnhof abgeholt. Nachdem wir bereits zuvor ein volles Programm in Moskau hatten, sollte Lisas Planung für uns in St. Petersburg nochmal ein paar Gänge zulegen.

Konstruktivismus-Tour

Mein Interesse für Architektur der Sowjetzeit hat Lisa zum Anlass genommen, uns eine kleine Tour durch ein typisches Viertel aus dieser Zeit zu bieten.

Denkmal für Sergej Kirow

Denkmal für Sergej Kirow

Narva-Triumphbogen

Start der war der Narva-Triumphbogen. In anderen Städten wie etwas Bukarest würde solch ein Objekt wahrscheinlich eine der Topsehenswürdigkeiten darstellen. In St. Petersburg geht der Narva-Triumphbogen aber einfach in der Menge unter. Und das obwohl er an den geschichtsträchtigen Sieg Russlands über Napoleon im Russlandfeldzug 1812 zu erinnern.

Narva-Triumphbogen

Narva-Triumphbogen

Stadtteil Kirowski

Architektur des Konstruktivismus und Brutalismus, geschichtsträchtige Orte mit dem Start der russischen Revolution in einer Fabrik und prächtige Parkanlagen, die dem Sowjetregime zum Opfer fielen. Selbst ein solch unscheinbarer Ort wie der Stadtteil Kirowksi hat in St. Petersburg Stoff für dutzende von Geschichten zu bieten.

Kirowwerk - Ausgangspunkt der Februarrevolution

Kirowwerk – Ausgangspunkt der Februarrevolution

Mittagessen bei Varyas Oma

Ein liebgewonnenes Ritual stand in der Mittagszeit an: Traditionell statten wir Varyas Oma einen Besuch ab und sie kocht leckeres, typisch russisches Essen für uns.

WM-Spiel: Iran gegen Marokko

Viel Zeit blieb uns jedoch nicht beim Essen. Schließlich hatten wir Tickets für das erste Match in der Gruppe B zwischen dem Iran und Marokko. Der Ticketpreis von 105 Dollar erscheint zunächst vielleicht hoch, aber nahezu den gleichen Preis hätte ich sonst für ein Visum zahlen müssen, das nun nicht nötig war. Außerdem gab es den Zugtransfer zwischen Moskau und St. Petersburg die Nacht zuvor umsonst. Der kostenlose Nahverkehr am Spieltag fällt bei Fahrtpreisen von 45 Rubel jedoch nicht weiter ins Gewicht.

Brücke zur Krestowski-Insel

Brücke zur Krestowski-Insel

Über das Spiel hülle ich lieber den Mantel des Schweigens, denn es war ohne Zweifel einer der katastrofalsten Kicks des Turniers. An der Unterstützung der Fans lag das allerdings nicht. Beide haben ihre Mannschaft lautstark angefeuert und trotz der Leistung auf dem Rasen großen Spaß gehabt.

Krestowski-Stadion

Krestowski-Stadion

Hervorzuheben ist auch die Organisation: Trotz gründlicher Sicherheitskontrollen waren die Schlangen überschaubar, die Ausschilderung ließ keine Fragen offen und überall waren gut gelaunte Volunteers, die mit Rat und Tat helfen konnten.

Kurz vor Anpfiff

Kurz vor Anpfiff

Die Preise im Stadion waren natürlich für russichen Verhältnisse hoch, hatten aber noch nicht das Niveau deutscher Bundesligaspiele.

Tag 8

Wo das Wetter für den normalen Städtereisenden sicherlich in Moskau noch Potenzial nach oben hatte, war es vor allem an diesem Tag in St. Petersburg zu heiß. Es hätte keinen besseren Zeitpunkt für einen Ausflug ans Wasser geben können.

Kronstadt

On the road

Nur 60 Minuten Fahrt mit dem Marschrutka – dem russischen Sammeltaxi – vom Bahnhof Chyornaya Rechka aus entfernt liegt das kleine Städtchen Kronstadt. Neben der Brücke muss man dafür in die Linie 405 einsteigen und wird für 79 Rubel befördert. Das Ticket kann man direkt beim Fahrer kaufen und muss bar beglichen werden.

Schleuse

Schleuse

Kronstadt ist kleiner, entspannter und einfach eine ganze Spur ruhiger als St. Petersburg. Natürlich kann Kronstadt es nicht mit der opulenten Ausstrahlung ihrer benachbarten Großstadt aufnehmen, aber welche Stadt auf diesem Planeten kann das schon von sich behaupten? Zumindest ich kenne keine.

ehemalische militärische Sperrzone

Kronstadt hat eine lange maritime Historie und auch heute noch kommt man kaum durch die Stadt, ohne dass irgendwann eine Gruppe Matrosen im typischen Donald Duck-Outfit den Weg kreuzt.

Militärschiff im Hafen

Militärschiff im Hafen

Ein großer Teil der Anlage der russischen Marine war auch lange nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Sperrzone für Zivilisten. Heute kommt man jedoch ganz nah dran und wie man es auch von anderen Orten kennt: Die Russen lieben es, ihr militärisches Gerät zu zeigen. So kann man hier bei freiem Eintritt ein kleines Militärmuseum mit U-Booten, Lastkraftwagen und natürlich Militärschiffen bestaunen.

ehemalische militärische Sperrzone in Kronstadt

ehemalische militärische Sperrzone in Kronstadt

Schifffahrt

Wenn man von so vielen Schiffen umgeben ist möchte man natürlich irgendwann auch selbst hinaus aufs hohe Meer – oder zumindest etwas annäherndes. Für 500 Rubel kann man ein Ticket für eine dreiviertelstündige Rundfahrt über den finnische Golf erwerben. Die Fahrt wird begleitet von einem Livekommentar, der viel zur Umgebung wie etwa einem vor Ort anliegendem U-Boot zu berichten hat. Leider passiert dies alles aber ausschließlich auf englisch.

Das Schiff Reeperbahn in Kronstadt

Das Schiff Reeperbahn in Kronstadt

Nach den 45 Minuten legt man auf einer Halbinsel mit einem Leuchttum an und wird 30 weitere Minuten später von einem Bus nach Kronstadt gefahren.

Leuchtturm auf der Halbinsel

Leuchtturm auf der Halbinsel

Auf der Halbinsel

Auf der Halbinsel

Mittagessen bei Skaza

Da Kronstadt zwar touristisch, aber nicht auf Auslänger eingestellt sind, wird man wenige Lokale finden, die auch ein englisches Menü haben. Ich hatte ja aber das Glück zweiter Begleiter, die mir alles übersetzen konnten. Wir waren bei Skaza essen, wo es Pelmeni und eine Limonade für 490 Rubel gab.
Die Rückfahrt nach St. Petersburg mit dem Marschrutka dauerte anschließend auch wieder eine Stunde.

Feinkostladen Jelissejew

Wie auch in Moskau findet sich in St. Petersburg der Feinkostladen Jelissejew. Direkt am Nevski Prospekt gelegen fällt der Laden trotz all seines Prunks in dieser Straße aller Straßen St. Petersburg gar nicht weiter auf. Spätestens drinnen kommt man aber kaum mehr aus dem Staunen heraus. Das Interieur ist wie auch in Moskau sehr edel, aber hier trifft das auch auf alle Waren zu. Während Moskau auch Angebote aus normalen Supermärkten zu leicht erhöhten Preisen hat, gibt es hier St. Petersburg ausschließlich feine Lebensmittel zu entsprechend hohen Preisen.

Feinkostladen Jelissejew

Feinkostladen Jelissejew

Schwansee im Michailowski-Theater

Das Kulturprogramm mit dem Bolschoi-Theater in Moskau findet im Michailowski-Theater und einer Vorstellung von Schwansee seine Fortsetzung. Ballet ist sicherlich noch viel mehr als Oper eine Geschmackssache und ich habe auf Varyas Vorschlag auch erst einmal überlegen müssen. Mich schlussendlich aber dafür entschieden zu haben, habe ich nicht bereut: Nicht nur sind keine Sprachkenntnisse nötig, um der Story zu folgen. Auch sind die athletischen Fähigkeiten beeindruckend. Michael Jordan hatte sicherlich nicht mehr Airtime als der Hauptdarsteller. Die vollkommen überzogenen Gesten der Tänzer, die man auch noch bis in die letzte Reihe sehen konnte waren dann zumindest noch sehr amüsant.

Ensemble des Michailowski-Theaters

Ensemble des Michailowski-Theaters

Die Vorstellung ging insgesamt drei Stunden und kostete 3000 Rubel.

Bühne des Michailowski-Theaters

Bühne des Michailowski-Theaters

Die Pause der Vorstellung sollte man unbedingt nutzen, um ein kleines Museum im dritten Stockwerk zu besuchen. Dieses ist nicht ausgeschildet und selbst die wenigsten Besucher an diesem Abend wussten davon. Der Eintritt hier war im Ticketpreis inbegriffen.

Museum im Michailowski-Theater

Museum im Michailowski-Theater

SPB-Bar

Wegen der Weltmeisterschaft war nicht nur die Stadt voller als üblich. Auch die Bars hatten nur noch wenige Plätze frei und als wir in der SPB-Bar endlich einen Tisch gefunden hatten, war um Mitternacht auch kaum noch Bier vorrätig. Für 200 Rubel gab es dann aber doch noch eine Biersorte, die ausgeschenkt werden konnte.

Öffnung der Palastbrücke

Kurz nachdem die Gläser leer waren, haben wir uns auf den Weg zur Palastbrücke gemacht. Um 1:15 Uhr wurde diese hochgeklappt, um den Schiffen auf dem Fluss Neva Platz zu machen. 25 Minuten früher da zu sein war das richtige Timing, da es nach und nach voller wurde, wir aus der ersten Reihe aber einen Platz mit perfekter Sicht gesichert hatten. Wer mehr Brücken sehen möchte, dem sei eine Schifffahrt auf der Neva ans Herz gelegt, wie wir sie vor zwei Jahren gemacht haben. Die Schiffe fahren von Brücke zu Brücke und so kommt man gleich mehrfach in den Genuß dieses opulenten Prozederes.

Die offene Palastbrücke

Die offene Palastbrücke

Weiße Nächte

Die Fußballweltmeisterschaft sorgte für eine volle Stadt und ausgelastete Taxis. Eine geschlagene Stunde mussten wir waren, bis wir ein Taxi für 400 Rubel nach Hause ergattern konnten. Dies ist der nur leicht erhöhte Normalpreis für Einheimische für eine etwa 20-minütige Fahrt. Während des Wartens haben wir Touristen erlebt, die ein Vielfaches für bedeutend kürzere Fahrten zu zahlen bereit waren. Verständlich, dass die wenigsten Taxifahrer Interesse an uns hatten.
Die Wartezeit hatte aber auch ihr Gutes: Gegen 3:30 Uhr waren wir erst zu Hause und konnten die weißen Nächte in ihrer besten Phase erleben. In dieser Zeit ist es in St. Petersburg wirklich verrückt. Es wird nie richtig dunkel und auch die Menschen scheinen viel aktiver zu sein. Man selbst findet auch nur wenig Schlaf und der abwechselnde Blick auf die Uhr und in den Himmel hat mich mehrfach an meinem Verstand zweifeln lassen. Aber es ist wahr: Es wird in den weißen Nächten einfach nicht richtig dunkel. Und kaum dass man denkt, dass es bald soweit sei, wird es schon wieder richtig hell.

Die Auferstehungskirche zu später, aber noch heller Stunde

Die Auferstehungskirche zu später, aber noch heller Stunde

Der Winterpalast um Mitternacht

Der Winterpalast um Mitternacht

Kunstkammer in tiefster Nacht

Kunstkammer in tiefster Nacht

Tag 9

Wir sind spät nach Hause gekommen und deshalb auch etwas später in den Tag gestartet. Den Kanonenschlag um Punkt 12 Uhr mittags auf der Peter-und-Paul-Festung konnten wir aber bereits von außerhalb der Mauer vernehmen.

Peter-und-Paul-Festung

Wir haben diese Station in diesem Jahr ausgelassen. Bei einem ersten Besuch in der Stadt sollte ein Besuch der Peter-und-Paul-Festung jedoch als fester Programmpunkt eingeplant werden. Es gibt zahlreiche Museen, Kirchen und das in St. Petersburg unumgängliche Gold. Auch erfährt man hier die Ursprünge dieser einzigartigen Stadt, die mit ihrer Gründung im Jahr 1703 jünger als New York ist.

Peter-und-Paul-Festung

Peter-und-Paul-Festung

Militärgeschichtliches Museum der Artillerie, des Ingenieurwesens und der Nachrichtentechnik

Gegenüber der Insel, auf der die Peter-und-Paul-Festung liegt ein Museum, mit einem etwas sperrigen Namen: das Militärgeschichtliche Museum der Artillerie, des Ingenieurwesens und der Nachrichtentechnik. Am Thema bin ich nicht irrsinnig interessiert, weshalb wir das Militärmuseum auch nicht besucht haben. Ein Besuch des Vorhofs mit jeder Menge Panzern und Raketensysteme ist jedoch kostenlos möglich und wenn man schon in der Gegend ist, sollte man diesen kleinen Abstecher noch machen.

Außengelände vom militärgeschichtlichen Museum

Außengelände vom militärgeschichtlichen Museum

Helikopter-Rundflug über St. Petersburg

Habe ich bereits erwähnt, dass St. Petersburg die schönste Stadt der Welt ist? Falls nicht und auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen: St. Petersburg ist die schönste Stadt der Welt!

Und was am Boden schon so wunderschön ist, muss aus der Luft noch viel beeindruckender sein. Diese Vermutung konnten wir bei einem Helikopter-Rundflug für 5000 Rubel bestätigen. Varyas Mutter hat die nötigen Connections, um uns diese einmalige Gelegenheit zu ermöglichen.

Helikopter von außen

Helikopter von außen

Startpunkt war die Peter-und-Paul-Festung in einem alten sowjetischen Modell, dessen Innenraum 20 Passagieren geräumig Platz bietet.

Innenraum des Helikopters

Innenraum des Helikopters

Sobald die Piloten den Motor starteten bekam man schon einen ersten Eindruck, welch gewaltige Kraft in solch einer Maschine steckt. Die Rotoren setzen sich dann so langsam in Bewegungen und man am Anfang kann man durch das Bullauge die Bewegung noch nachvollziehen. Aber das Rotorblatt wird schneller und schneller und ist irgendwann nur noch als schwarze Spur über einem zu erkennen. Inzwischen vibriert der ganze Innenraum und bei dem Lärm kann man sich auch nicht mehr unterhalten. Von einem Moment auf den anderen hebt man dann ab und langsam wird die Welt unter einem immer kleiner. Selbst eine solch riesige Stadt wie St. Petersburg mit über sechs Millionen Einwohnern wirkt von hier oben eigenartigerweise überschaubar. Auch wenn sich die Häuser bis zum Horizont ziehen,  Distanzen von vielen Kilometern zu kleinen Strecken werden und Menschen kaum mehr zu erkennen sind: Auf einmal ist alles klein.

Helikopter in der Luft

Helikopter in der Luft

Ich empfehle nicht nur für St. Petersburg, sondern auch andere Städte, einen solchen Flug gegen Ende des Trips zu machen. Man erkennt die Gebäude wieder, kann nachvollziehen, welche Strecken man schon gelaufen ist und erkennt das große Bild dessen, was man zuvor zum Teil vielleicht nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln erkundet hat.

Am Horizont sticht das Lakhta Center, Europas höchstes Gebäude hervor

Am Horizont sticht das Lakhta Center, Europas höchstes Gebäude hervor

Das Eremitage, das als eines der größten und bedeutendsten Kunstmuseen der Welt gilt

Das Eremitage, das als eines der größten und bedeutendsten Kunstmuseen der Welt gilt

Die Auferstehungskirche

Die Auferstehungskirche

Panzerkreuzer Aurora, das Symbol der Oktoberrevolution

Panzerkreuzer Aurora, das Symbol der Oktoberrevolution

Peter-und-Paul-Festung

Peter-und-Paul-Festung

New Holland-Insel

New Holland-Insel

Der Rundflug war sicherlich nicht die günstigste Variante, St. Petersburg von oben zu erkunden, aber von den legalen Varianten sicherlich die spektakulärste.

Wer die Stadt ebenfalls auf diesem Weg von oben erkunden möchte kann sich an Lisa wenden. Ihre Kontaktdaten findet ihr am Ende des Artikels.

Mittagessen bei Brynza

Zum Mittagessen waren wir tatarisch essen bei Brynza. Für 270 Rubel gab es eine selbstgemachte Limonade und Tscheburek, eine knusprige Teigtaschen mit saftiger Hackfleischfüllung, die es aber auch als vegetarische Variante gibt. Das günstige und leckere Essen hier lässt sich übrigens in mehreren Filialen in der Stadt finden.

Tscheburek bei Brynza

Tscheburek bei Brynza

Carl Bulla-Museum

Varyas Mutter Lisa hatte dann mal wieder einen ihrer ganz speziellen Geheimtipps parat, die sonst kaum jemand kennt – zumindest waren wir vor Ort die ganze Zeit komplett alleine. Das Carl Bulla-Museum kostet 50 Rubel Eintritt und zeigt Bilder des Begründers der russischen Fotoreportage. So weit so langweilig.

Das unscheinbare Carl Bulla-Museum von außen

Das unscheinbare Carl Bulla-Museum von außen

Atemberaubend wird es jedoch, wenn man auf die Terasse tritt. Das Museum liegt perfekt gelegen am Newski-Prospekt und hier kann man die Prachtstraße und das geschäftige Treiben St. Petersburgs von oben sehen. Ein echter Geheimtip!

Aussicht vom Carl Bulla-Museum auf den Newski-Prospekt

Aussicht vom Carl Bulla-Museum auf den Newski-Prospekt

Apraxin Dwor-Markt

Ganz an am Zentrum und nur wenige Minuten vom Newski-Prospekt entfernt und dennoch gut versteckt liegt der Apraxin Dwor-Markt. Wenn du Plastikspielzeug und Plastikkleidung genauso sehr liebst wie billige Zigaretten, wird dir an diesem Ort das Herz aufgehen.

Apraxin Dwor-Markt

Apraxin Dwor-Markt

Für alle anderen wirkt es einfach nur wie eine Parallelwelt im Herzen der Kulturstadt St. Petersburg. Ich wäre wirklich gerne noch ein wenig länger entlang der staubigen Straßen spazierengegangen um zu schauen, was es hier noch so alles zu kaufen gibt. Die beiden Mädels haben sich hier allerdings nicht so sehr wohl gefühlt und das ist an diesem Ort auch verständlich.

Eine klassische Russenhocke

Eine klassische Russenhocke

Solaris Lab

Ich habe schon erwähnt, dass Lisa die Königin der Geheimtips ist und einmal mehr hat sie dies deutlich unter Beweis gestellt. Am Ende einer Sackgasse mitten in einem Wohnviertel zeigt sie auf eine Tür, durch die wir gehen sollen. Mein fragender Blick wird nur von einer Bewegung quitiert, damit ich die Treppe hinaufsteige.

Eingang zu Solaris Lab

Eingang zu Solaris Lab

Mehrere Stockwerke laufen wir nach oben und als wir zum Schluss eine schmale Treppe emporsteigen, stehen wir inmitten einer Rooftop-Bar.

Innenraum vom Solaris Lab

Innenraum vom Solaris Lab

In Sichtweite der Isaakskathedrale bekommt man im Solaris Lab nicht nur für 200 Rubel einen Kaffee, sondern einen der vermutlich coolsten Orte der Stadt.

Aussicht auf die Isaakskathedrale von Solaris Lab

Aussicht auf die Isaakskathedrale von Solaris Lab

Die Aussicht über die Blechdächer von St. Petersburg ist gigantisch und die Location ist spielt mit einer Mischung aus kühlen Industriedesign und gemütlichem Wohnzimmer. Außerdem gab es mehrfach ein Wiedersehen mit dem Helikopter, der uns am Vormittag noch genau über diesen Ort geflogen hatte.

Teleskop im Solaris Lab

Teleskop im Solaris Lab

New Holland-Insel

Nachdem es im Solaris Lab eher ruhig zuging, ging es nun an einen ganz anderen Ort. Viele Menschen aller Altersklassen, Familien mit Kindern, Jugendliche und weltoffene Menschen aus allen Richtungen kann man auf der New Holland-Insel treffen.

Eingang zur New Holland-Insel

Eingang zur New Holland-Insel

New Holland

New Holland

Am meisten sticht hier das ehemalige Marinegefängnis ins Auge. Über vier Stockwerke findet man in diesem runden Gebäude aus rotem Backstein Läden mit Designergegenständen, -kleidung, Büchern und handgemachtes Spielzeug.

Das ehemalige Marinegefängnis in New Holland

Das ehemalige Marinegefängnis in New Holland

Wer hungrig ist, findet eine ganze Reihe von Restaurants im Streedfood-Stil. Wir hatten etwa eine Pizza mit einem belgischen Kirschbier für 300 Rubel.

Innenhof des ehemaligen Marinegefängnises

Innenhof des ehemaligen Marinegefängnises

Auf der New Holland-Insel mit ihren vielen Sitzmöglichkeiten, Wasser und vielen kleinen Ecken zum entdecken haben wir auch den letzten Abend unseres Trips ausklingen lassen; ein würdiger Ort um noch einmal all das Revue passieren zu lassen, was wir in über einer Woche alles erlebt haben.

Teich im Abendlicht

Teich im Abendlicht

Tag 10

Rückflug nach München

Am letzten Tag ging dann alles ganz schnell, denn der Flug war zeitig am Morgen. Mit noch weniger Schlaf als an den Tagen zuvor nahmen wir einen Marschroutka bis zur Haltestelle Moskovskaya für 40 Rubel. Wer noch ein wenig Zeit hat, sollte unbedingt einen Blick auf das gewaltige Haus der Sowjets sowie die Leninstatue davor werfen.

Haus der Sowjets mit Leninstatue

Haus der Sowjets mit Leninstatue

Nach der Weitläufigkeit auf St. Petersburgs größtem Platz ging es dann mit einem randvollen Bus der Linie 39 innerhalb von 25 Minuten Fahrt zum Flughafen Pulkowo. Die Fahrt im Bus zum Flughafen hat 40 Rubel gekostet und Tickets können während der Fahrt bei einer Kontrolleurin erworben werden.

Der Rückflug nach München mit der russichen Airline Rossija kostete 109,16 Euro.

Dort angekommen hat die Passkontrolle fast eine Stunde in Anspruch genommen und war damit sogar noch langsamer als es am Flughafen Memmingen läuft, von dem ich bislang dachte, dass er am lahmsten sei.

Auf der Bahnfahrt zurück nach Ulm für 29,90 Euro galt es dann erst einmal wieder richtig anzukommen, die Gedanken zu ordnen und den ganzen Wahnsinnstrip vor dem geistigen Auge ablaufen zu lassen. Ich bin sehr froh, jeden Tag viele Seiten meines Notizbuches gefüllt zu haben. Bei der Vielzahl an Erinnerungen wäre sonst bestimmt einiges verloren gegangen. Ein irrer Trip!

Reisebegleitung von Lisa
Wer weitere Geheimtipps sucht, mehr über die faszinierende Geschichte von St. Petersburg erfahren möchte oder mit einem Helikopter über die Stadt fliegen möchte, wendet sich am besten per Whatsapp oder E-Mail an Lisa. Sie spricht hervorragendes Englisch und wird dafür sorgen, dass auch du St. Petersburg lieben lernen wirst.
E-Mail: betsyvarya@mail.ru
Whatsapp: +79217519573
Der Wochenendnomade mit Lisa und Varya

Der Wochenendnomade mit Lisa und Varya

Fazit

Ich war nach meinem ersten Russlandtrip bereits hin und weg vom Land, seinen Kulturschätzen, den Menschen und Abenteuern, die man erleben kann und hätte nicht gedacht, dass sich solch ein Erlebnis nochmals steigern lässt, wenn man dasselbe Ziel erneut ansteuert. Aber es ist passiert: Meine dritte Reise nach Moskau und St. Petersburg hat mich immer erneut einfach nur weggeblasen. Ich bin jeden Tag müde aufgestanden und noch müder zu Bett gegangen. Aber diese Müdigkeit war gepaart mit dem Gefühl totaler Glückseeligkeit, hier in diesem Moment die mit Sicherheit besten Tage des Jahres zu erleben.

Ist Russland also eine Reise wert? Mindestens drei Reisen sogar würde ich sagen!

Abrechnung

Die Abrechnung meines Russlandtrips kann sicherlich nicht als generelle Referenz angesetzt werden: Dank der Fan-ID musste ich kein Visum kaufen. Das Prozedere zur Beantragung lasse ich sonst durch ein Reisebüro durchführen und kostet in etwa 90 Euro. In St. Petersburg waren wir Gäste bei Lisa und mussten so weder für die Unterkunft noch das Frühstück etwas zahlen. Das außer acht gelassen hat der Trip nach Moskau und St. Petersburg 802,37 Euro gekostet, was bei einer Reisedauer von zehn Tagen etwa 80 Euro pro Tag macht. Kleine Snacks, Getränke, hier und da ein Eis und insbesondere Trinkgeld sind bei dieser Kalkulation wie immer ausgeklammert, aber dafür jede Menge Eintritte, satt essen und ganz spezielle Aktivitäten wie Eintritt zur Fußball-Weltmeisterschaft, zum Bolschoi-Theater, zum Michailowski-Theater, zum großen Moskauer Staatszirkus oder ein Helikopter-Rundflug über St. Petersburg.

802,37€
Bahnfahrt und Transfer zum Flughafen Memmingen12,35 €
Flug von Memmingen nach Moskau72,93 €
Bustransfer vom Airport nach Moskau30,00 RUB (0,42 €)
2 Übernachtung im Croissant Hotel, Moskau29,50 €
Abendessen bei Meatless970,00 RUB (13,58 €)
Eintritt zum Museon Park0,00 RUB (0,00 €)
Eintritt zur Banksy-Ausstellung650,00 RUB (9,10 €)
Eintritt für Carmen im Bolschoi-Theater5.600,00 RUB (78,40 €)
Ausleihe von Opernglas im Bolschoi-Theater150,00 RUB (2,10 €)
Eintritt zur Aussichtsplattform von Detskij Mir0,00 RUB (0,00 €)
Abendessen bei Varenichnaya600,00 RUB (8,40 €)
3 Übernachtungen im Mini Hotel KB na Taganke inkl. Frühstück51,50 €
Eintritt zum Kreml in Ismailowo0,00 RUB (0,00 €)
Communist-Tour1.700,00 RUB (23,80 €)
Abendessen bei Khachapuri1.250,00 RUB (17,50 €)
Bier bei Craft Station200,00 RUB (2,80 €)
Frühstück bei My My137,00 RUB (1,92 €)
Eintritt zum Kosmonautenmuseum250,00 RUB 150 RUB (2,10 €)
Eintritt zum großen Moskauer Staatszirkus1.900,00 RUB (26,60 €)
Abendessen bei Brisket Barbecue1.000,00 RUB (14,00 €)
Frühstück bei Café Andersen262,00 RUB (3,67 €)
Eintritt im Zarizyno-Park780,00 RUB (10,92 €)
Mittagessen im Zarizyno-Restaurant300,00 RUB (4,20 €)
Abendessen bei Dizengof 99755,00 RUB (10,57 €)
Schließfach am moskauer Bahnhof500,00 RUB (7,00 €)
Eintritt für Vinzavod500,00 RUB (7,00 €)
Mittagessen bei Khitryye Lyudi645,00 RUB (9,03 €)
Abendessen bei Nash Khleb300,00 RUB (4,20 €)
Bahnfahrt von Moskau nach St. Petersburg0,00 RUB (0,00 €)
Eintritt zum Spiel der Fußballweltmeisterschaft105,00 $ (91,35 €)
Marschrutka-Fahrt nach und von Kronstadt158,00 RUB (2,21 €)
Eintritt zur Militausstellung in Kronstadt0,00 RUB (0,00 €)
Mittagessen bei Skaza490,00 RUB (6,86 €)
Eintritt für Schwansee im Michailowski-Theater3.000,00 RUB (42,00 €)
Eintritt zum Museum im Michailowski-Theater0,00 RUB (0,00 €)
Bier in SPB-Bar200,00 RUB (2,80 €)
Taxifahrt nach Hause400,00 RUB (5,60 €)
Eintritt zur Außenausstellung des militärgeschichtlichen Museums0,00 RUB (0,00 €)
Helikopter-Rundflug über St. Petersburg5.000,00 RUB (70,00 €)
Mittagessen bei Brynza270,00 RUB (3,78 €)
Eintritt zum Carl Bulla-Museum50,00 RUB (0,70 €)
Kaffee bei Solaris Lab200,00 RUB (2,80 €)
Abendessen auf der New Holland-Insel750,00 RUB (10,50 €)
Marschroutka bis zur Haltestelle Moskovskaya40,00 RUB (0,56 €)
Transferbus zum Flughafen40,00 RUB (0,56 €)
Flug von St. Petersburg nach München109,16 €
Bahnfahrt vom Flughafen München29,90 €

 

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