19
Mrz
2018
0
Parlamentspalast

Bukarest: Gigantomanie, unfassbar nette Menschen und der schlimmste Tag meines Lebens

⌚ geschätzte Lesezeit: 35 Minuten

Planung

Aus dem letzten Jahr waren noch einige Urlaubstage übrig, die natürlich sinnvoll eingesetzt werden sollten. Da Wizzair mir vor einige Monate einen 50 Euro-Gutschein für eine Reise über 8 Tagen hat zukommen lassen, habe ich geschaut, welche Städte noch auf meiner Liste stehen und von Wizzair angeflogen werden. Nach kurzer Recherche fiel die Wahl schnell auf Bukarest: Die Stadt ist mit 1,9 Millionen Einwohnern die siebtgrößte innerhalb der EU und sollte ausreichend Möglichkeiten bieten, für eine komplette Woche voller Abwechslung. Bei meinen Freund Boris musste ich dann nicht lange Überzeugungsarbeit leisten: 150 Euro für Flug und Hotel für 7 Nächte waren eine gute Möglichkeit, damit auch er seinen Resturlaub verbrauchen kann.

Dass die Reise im Vergleich zu den sonstigen Trips übers verlängerte Wochenende ausgedehnter ausfällt hat einen ganz aktuellen Vorteil: Es wird der erste Trip sein, den ich in meinem Reiseblog dokumentieren möchte. So kann ich mir etwas mehr Zeit nehmen, alle Eindrücke auch entsprechend zu würdigen und in Schrift und Bild festzuhalten.

Dank akribischer Planung standen auch schon vor der Reise einige Programmpunktet fest: Im Vorfeld hatten wir bereits wie üblich eine Free Walking Tour ins Auge gefasst und eine Kommunismus-Tour gebucht. Ein geführter Tagesausflug zu Draculas Schloss war ebenfalls schon reserviert. Als ich den Bukarest-Trip noch in Deutschland geplant hatte war für mich auch sehr schnell klar: Den Parlamentspalast muss ich unbedingt sehen, denn kein Reisebericht kommt um dieses Gebäude herum. Gleiches gilt für das Muzeul Satului, ein kleines Musumsdorf außerhalb der Stadt. Nicht so häufig genannt wurde zwar das Museum für zeitgenössische Kunst, aber bei moderner Kunst habe ich oftmals sehr inspirierende Momente. Darüber hinaus gab es noch zahlreiche kleine Programmpunkte, die während unseres Aufenhthalts in Bukarest nach und nach abgehakt werden sollten.

Eine ganze Woche mit Handgepäck zu verreisen dürfte selbst für mich eine Premiere sein. Dementsprechend groß war meine Sorge bis einen Tag vor Abreise, ob ich unter Umständen ein paar Kompromisse eingehen müsse. Schlussendlich konnte ich in meinem Travelmax aber alles unterbringen. Sogar ein paar Ersatzschuhe, eine Ersatzhose und meine neue Daunenjacke im Kompressionssack kamen unter. Hätte ich zu Beginn gewusst, welches Wetter mich gegen Ende des Trips in Bukarest erwartet, wäre es im Rucksack voll nochmal enger geworden.

Als Premiere fand erstmalig sogar mein Tablet und die externe Tastatur ihren Weg ins Handgepäck. Diese Kombination ist sogar noch ein Stück kleiner als mein 13 Zoll-Laptop – insbesondere, wenn man noch das Netzteil dazurechnet. So sollte es mir möglich sein, jeden Tag ganz aktuell meine Erlebnisse festzuhalten und kontinuierlich an meinem Blogartikel zu schreiben.

Schreiben mit Tablet und externer Tastatur im ICE nach Nürnberg

Schreiben mit Tablet und externer Tastatur im ICE nach Nürnberg

Hit The Road

Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt. In diesem Fall hieß es zunächst mit dem Zug zum Flughafen Nürnberg zu kommen, bevor der Flug nach Bukarest angetreten werden konnte – für mich eine neue Startlokation. Auf dem Weg dorthin habe ich noch Boris aufgelesen: Ebenfalls ein überzeugter Wochenendenomade und neben meiner Freundin Varya mein mit Abstand häufigster Reisekompagnon.

Wie es sich für einen Sparreisenden gehört, habe ich die Fahrkarte als Sparpreisticket bereits Wochen im Voraus gebucht und dank Bahncard 25 für die Bahnfahrt nur 14,90 Euro bezahlt.

Vom Hauptbahnhof ist der Flughafen hervorragend angebunden und in weniger als 15 Minuten Fahrtzeit mit der U2 zu erreichen. Achtung: Nicht jede U2 fährt bis zum Flughafen Nürnberg durch. Insgesamt war ich damit von Ulm aus weniger als zwei Stunden unterwegs. Bisher war ich mir über diese kurzen Wege gar nicht bewusst. Ich schätze, den Flughafen Nürnberg werde ich in nächster Zeit noch öfter ansteuern.

Zumal der Flughafen Nürnberg auch einen aufgeräumten Eindruck macht. Vorsichtig sollte man nur sein, wenn man wie wir schon sehr zeitig dort ist. Die Beschildung zum Gate wird auf Monitoren dargestellt und lässt sich entsprechend ändern. Als wir auch 45 Minuten vor Abflug alleine im Wartebereich waren, kam es uns doch etwas komisch vor. Kurz nachdem wir uns niedergelassen haben musste sich wohl die Beschilderung geändert haben, denn bei der Ausreise mussten wir uns noch ausweisen – wir waren am direkten Eingang zum Terminal ohne diese Schleife.

Meine Erfahrungen mit Wizzair konnte ich bislang nur an den Flughäfen in Memmingen sowie Friedrichshafen sammeln. Ich bin zwar ein großer Fan von Wizzair und bekomme als Discount Club-Mitglied alle Flüge 10 Euro günstiger – was gerne auch mal einem 50%-Rabatt entspricht – aber die Pünktlichkeit ließ dort oftmals zu wünschen übrig. Hier ab Nürnberg lief aber alles perfekt.

Wir sind in Nürnberg bei leichtem Niesel gestartet und die Wolken um uns herum kurz vor Landung ließen nichts Gutes erwarten. So war es schlussendlich auch. Da wir das Flugzeug jedoch direkt über einen Finger zum Gate verlassen haben und auch die Haltestelle für den Transferbus in die Stadt überdacht war, wurden wir nicht nass.

Abendrot bei der Landung in Bukarest

Abendrot bei der Landung in Bukarest

Die Ausschilderung zum Transferbus führte uns ein wenig in die Irre, da es zum Teil Pfeile in entgegengesetzte Richtungen gab. Um ihn zu finden, in der Haupthalle einfach die Treppe nach unten laufen. Unten angekommen einfach auf der langen Seite mit der Glasfront das Gebäude verlassen. Es gab einen Ticketautomaten, aber der war außer Betrieb. Wenn man sich nach dem Herauskommen aus dem Gebäude rechts hält, sieht man direkt ein Kassenhäuschen. Hier kann man die Tickets ebenfalls kaufen. Hin- und Rückfahrt kosten zusammen 8,60 Lei, wobei die Kassiererin dies zu ihren Gunsten auf 9 Lei aufgerundet hat. Bei dem Umrechnungskurs von 4,67 Lei, die man für einen Euro erhält ließ sich dies aber problemlos verschmerzen. Das Geld haben wir übrigens wie üblich mit Kreditkarte an einem Geldautomaten direkt im Flughafengebäude abgehoben.

Hinweise für den sicheren Transfer nach Bukarest im Flughafengebäude

Hinweise für den sicheren Transfer nach Bukarest im Flughafengebäude

Vom Flughafen fahren zwei Transferbusse in die Innenstadt von Bukarest: Linie 780 sowie 783. Vor dem Losfahren bitte das Entwerten des Tickets direkt im Bus nicht vergessen.

Entwertungsautomat im Bus

Entwertungsautomat im Bus

Nach ca. 45-minütiger Fahrt sind wir in der Stadt angekommen, wobei wir noch ca. 10 Minuten Fußweg bis zum Hotel benötigten. Dort angekommen haben wir schnell unser Gepäck abgelegt und unser Zimmer hungrig verlassen. Boris war mal wieder hervorragend vorbereitet und hat zwei dutzend Ziele aus der Kategorie „Essen und Trinken“ vorbereitet.

Reise

Tag 1 – Ankunft

Wir waren bereit für Bukarest und wir waren bereit, etwas zu essen. Schlussendlich gelandet sind wir nach etwa 20 Minunten bei Burger Van, um gleich am ersten Abend einen Haken hinter ein festes Ritual zu setzen: Für Boris und mich ist ein Städtetrip erst dann vollwertig, wenn wir beide einen Burger bei einer lokalen Gastronomie gegessen haben. Burger Van konnten wir bereits eine Straßenecke früher riechen, als wir ihn sehen konnten. Auch im Laden selbst roch es sehr intensiv und die Luft war fettgeschwängert und wurde mit Funkmusic beschallt. Gegen unseren Hunger hat das alleine nicht geholfen. Also gönnte ich mir für insgesamt 42 Lei einen Cheeseburger, Chili Cheese Fries und ein Getränk bei Burger Van Bukarest.

Burger Van

Burger Van

Der Burger schien im ersten Moment nicht sehr groß, aber da sollte ich mich täuschen: Was ihm an Durchmesser fehlte machte er mit Höhe wieder wett. Der gebratene Speck war vorzüglich und nach dem Essen war ich pappsatt.

Cheeseburger bei Burger Van

Cheeseburger bei Burger Van

Wer kein Interesse hat, sich der Bratenluft auszusetzen – insbesondere nach dem Essen ist dies unangenehm – kann auf der anderen Straßenseite ebenfalls essen. Dort gibt es auch nochmal einen Raum, der zu Burger Van gehört, allerdings wird dort geraucht. Bei der Wahl zwischen Burgergeruch und Zigarettenqualm ziehe ich ersteres vor.

Separater Raucherraum von Burger Van

Separater Raucherraum von Burger Van

Nach dem Essen haben wir uns wieder auf den Heimweg Richtung Hotel gemacht. In der Zwischenzeit hatte auch der Nieselregen aufgehört und alles sah danach aus, dass unser zweiter Tag in Bukarest unter einem besseren Stern steht als der erste halbe Tag in der Stadt. Da wir die Stadt bis zu diesem Zeitpunkt nur nass und dunkel erleben konnten, hatten wir beide große Hoffnung auf Verbesserung.

Tag 2 – Free Walking Tour, Sehenswürdigkeiten

Tag 2 begann nicht so feucht wie der erste endete, aber dennoch waren die ersten Aussichten eher trüb. Das änderte sich jedoch schnell mit der Aussicht auf Frühstück. Das war nicht im Hotelpreis integriert, doch für den Reisepreis war das auch kaum zu verlangen. Fündig und satt wurden wir bei Buoni e Bravi, einer Pizzeria, die morgens auch leckere Sandwiches anbietet. Der Kaffee war zudem hervorragender Illy-Kaffee; bei meinen zahlreichen Osteuropa-Trips musste ich in der Vergangenheit auch häufig schon unter Instantkaffee leiden. Für nur 16 Lei gab es ein Schinken-Käse-Sandwich, einen heißen Kaffee sowie freundlichen Service, mit dem wir noch ein paar Worte über unseren Trip ausgetauscht haben.

Buoni e Bravi

Buoni e Bravi

So gestärkt ging es zum Pflichtprogramm eines jeden Trips: Die Free Walking Tour in Bukarest. Diese startete um 10:30 Uhr am Platz der Einheit (rumänisch Piața Unirii).

Uhr am Piața Unirii, die wie fast alle der zahlreichen Uhren Bukarests nicht die richtige Zeit anzeigt

Uhr am Piața Unirii, die wie fast alle der zahlreichen Uhren Bukarests nicht die richtige Zeit anzeigt

Der Parlamentspalast – das erste womit man sonst als Tourist in Bukarest konfrontiert wird, hat nur einen kleinen Teil der Tour ausgemacht. Es wurden insgesamt 600 Jahre der Geschichte von Bukarest behandelt. Die Tour war – wie für bislang jede meiner Free Walking Tours – absolut empfehlenswert und gab einen hervorragenden Überblick über die Stadt und zeigte einige der wichtigsten Orte von Bukarest. Dass eine Stadtführung lehreich ist steht sowieso außer Frage, wobei mich immer am meisten die Geschichten interessieren. Wann und von wem ein Gebäude irgendwann mal gebaut waren habe ich in kürzester Zeit vergessen, aber die Geschichten sind es die bleiben: Etwa dass in Bukarest orthodoxe Kirchen auf Schienen um mehrere hundert Meter versetzt worden sind um dem Parlamentspalast Platz zu machen. Oder dass Bukarest auf halber Höhe zwischen Leipzig und Istanbul stark vom Handel im Mittelalter profitiert hat. Viel mehr erfährt man, wenn man sich die Zeit nimmt, selbst an der Free Walking Tour Bukarest teilzunehmen – es lohnt sich!

Am Ende der 2,5 Stunden haben wir uns von unserem Guide Monica ein paar Insidertipps geben lassen. Einer davon führte uns nur wenige hundert Meter vom Ende der Tour zu Dianei 4.

Dianei 4 ist nicht nur der Name des kleinen Etablissements, sondern auch dessen Adresse. Auf den ersten Blick leicht zu übersehen handelt es sich um ein kleines Café in einer alten Villa.

Dianei 4

Dianei 4

Wir haben uns im ersten Stockwerk direkt im Erker niedergelassen und hatten einen tollen Blick auf die Straße, wo wir dem wenigen Treiben auf der Seitenstraße zuschauen konnten. Da der Hunger sich in Grenzen hielt entschieden wir uns für einen Brunch. Als der Teller gebracht wurde waren wir ziemlich überrascht über die Portionsgröße: Zu den bestellten Käsekrainern gesellten sich Wedges, Kraut, Brot und überdies gab es für nur 38 Lei auch noch einen Kaffee.

Brunch bei Dianei 4

Brunch bei Dianei 4

Die Location bot neben gutem Essen auch freies Wifi, was einige Hipster mit Macbooks angezogen hat. Die hohen Decken und die liebevolle Vernachlässigung der Räumlichkeiten gepaart mit der Loungemusik sorgen für ein stimmungsvolles Ambiente, das man am liebsten für die nächsten paar Stunden genießen möchte. Aber wir wollten natürlich auch noch einiges von der Stadt erleben, zumal in der Zwischenzeit der Himmel aufgebrochen ist und Google eine Temperatur von 18 Grad Celsius gemeldet hat.

Bar in Dianei 4

Bar in Dianei 4

Als erste Station haben wir das Nationaltheater auserkoren, das nur wenige Meter entfernt war.

Nationaltheater Bukarest

Nationaltheater Bukarest

Danach sind wir durch die Unterführung zum Spitalul Colțea, einem Krankenhaus aus dem 18. Jahrhundert. Dieses wird heute noch für diesen Zweck genutzt, bietet in zentraler Lage mit viel Sirenen und Fahrzeuglärm direkt vor der Tür sicherlich jedoch nur wenig Erholung für die Patienten.

Spitalul Colțea

Spitalul Colțea

Für die Synagoge kamen wir leider etwas zu spät, da sie nur von 9 bis 15 Uhr zu besichtigen ist. Für unseren ersten Plan, es an einem anderen Tag erneut zu versuchen blieb schlussendlich keine Zeit mehr.

Danach kehrten wir zurück zum Platz der Einheit, um auch einige Stationen der Free Walking Tour alleine und mit weniger Menschen zu besuchen.

Darunter etwa die Biserici Sfantul Anton, die älteste Kirche am Platze, auch wenn sie gar nicht so alt wirkt.

Auch den Innenhof von Hanul lui Manuc schauten wir uns nochmal an, entschieden uns aber – satt wie wir waren – dagegen, etwas zu essen. Im Mittelalter wären wir hingegen ohne jeden Zweifel länger geblieben, denn dies war quasi das Hotel auf der Route zwischen Istanbul und Leipzig.

Bei Curtea Vecha, dem alten Fürstenhof, schauten wir ebenfalls nochmals vorbei. Hier wohnte und regierte Vlad III. Drăculea, heute dank des irischen Autors Bram Stoker besser bekannt als Dracula.

Curtea Vecha mit Büste von Vlad III. Drăculea

Curtea Vecha mit Büste von Vlad III. Drăculea

Das Kloster Stavropoleos inkl. seiner Kirche, die wir auf der Free Walking Tour bereits von innen besichtigt hatten, haben wir nun nicht besichtigt, sondern sind rechts abgebogen und waren auf einmal im wohl touristischsten Teil der Stadt: Das Lipscani-Viertel. Von allen Seiten wurde man bereits tagsüber angequatscht, doch hier und dort zu essen und zu trinken. So sehr mich diese Einladungen auch immer wieder nerven, so versuche ich doch halbwegs freundlich abzusagen. Bei mir – und sicherlich auch vielen anderen – sorgen die Betreiber nämlich für das genaue Gegenteil dessen, was sie damit bezwecken. Am Abend ist hier in Lipscani dann nochmal um ein Vielfaches mehr geboten und wer feiern möchte, wird eine Tour durch Bukarest sicherlich am ehesten hier starten.

Lipscani

Lipscani

Zwar touristisch, aber andererseits auch sehr schön war der Buchladen Cărturești Carusel. Diese bietet neben internationaler Literatur auch jede Menge Souvenirs und eine tolle Inneneinrichtung.

Cărturești Carusel

Cărturești Carusel

Dass man Bukarest auch das Paris des Ostens nennt habe ich vor der Reise an vielen Stellen gelesen, aber am Gebäude der CEC-Bank wurde dies ganz besonders sichtbar.

CEC-Bank

CEC-Bank

Wer an einem regnerischen Tag dem Wetter in Bukarest entfliehen möchte und gerne Wasserpfeife raucht, ist in der Passage Pasajul MacaVillacross sicherlich bestens aufgehoben. Da das Wetter jedoch weiterhin vielversprechend war und wir beide keinerlei Interesse hatten zu rauchen, zog es uns weiter zu einer weiteren Passage.

Pasajul MacaVillacross

Pasajul MacaVillacross

Die Pasajul Englez – die englische Passage – roch etwas streng, überrasche aber mit viel Farbenfreude. Die an der Decke aufgehängten Regenschirme in allen Farben kennt man mittlerweile aus vielen Städten. Dem Zustand der Schirme hier war aber deutlich anzusehen, dass es sich um keinen neumodischen Schnickschnack hielt, sondern die Schirme ihre besten Tage bereits hinter sich haben. Blass und zerfetzt fristen sie ihr trauriges Dasein in einer Passage, bei der man deutlich mehr herausholen könnte.

Pfütze in Pasajul Englez

Pfütze in Pasajul Englez

Schirme in Pasajul Englez

Schirme in Pasajul Englez

Eindrucksvoller wurde es dann beim Piața Revoluției. Hier findet sich ein Denkmal, das bei der Bevölkerung in Bukarest recht umstritten ist: Viele sehen hier eine Kartoffel am Spieß und in der Tat ist die Bedeutung nicht auf den ersten Blick gleich ersichtlich. Die Säule symbolisiert scheinbar das Streben der rumänischen Bevölkerung nach Freiheit, das stark genung war, den Kommunismus zu durchstoßen und hinter sich zu lassen. Wesentlich bedeutungsvoller finde ich den Pfad, der zum Denkmal führt. Wenn man genauer hinsieht, sind am Boden lauter abgesägte Baumstämme. Diese stehen für die abrupt beendeten Menschenleben während der Revolution im Dezember 1989, bei der im ganzen Land und insbesondere in der Hauptstadt Bukarest hunderte von Menschen ihr Leben lassen mussten. Ihre Namen findet man an einer Mauer um das Denkmal.

Piața Revoluției

Piața Revoluției

Der Platz wurde nicht ohne Grund gewählt, denn an diesem Platz befindet sich ebenfalls das ehemalige Zentralbüro der kommunistischen Partei. Man erkennt es sofort am Gebäudestil im sozialistischen Klassizismus, den man auch als Zuckerbäckerstil oder Stalinbarock kennt. Auf dem Balkon dieses Gebäudes hielt Nicolae Ceaușescu seine letzte Rede, kurz bevor seine Exekution dem Kommunismus in Rumänien ein Ende setzte.

ehemalige Zentralbüro der kommunistischen Partei

ehemalige Zentralbüro der kommunistischen Partei

Ebenfalls an diesem Platz findet sich eine faszinierende Mischung: Die Fassade eines alten Gebäudes, aus der ein modernes Gebäude aus Stahl und Glas herauswächst bietet heute dem Orden der Architekten ein zu Hause.

Orden der Architekten

Orden der Architekten

Wenige Meter von hier entfernt findet sich dann wieder eine klassische Schönheit: Die Universitätsbibliothek.

Universitätsbibliothek

Universitätsbibliothek

Im klassischen Stil ging es weiter zum Athäneum, dem Konzerthaus der Staatsphilharmonie.

Athäneum

Athäneum

Um danach zu Cărturești Verona zu gelangen, muss man eine der Hauptstraßen Bukarests überqueren. Von außen wirkt diese ehemalige Villa vergleichsweise unscheinbar, beherbergt innen aber einen sensationellen Buchladen. Die vielen kleinen Einzelräume sind jeweils thematisch gegliedert und neben einer Unmenge an Büchern kann man hier CDs, Schallplatten, Souvenirs, aber auch Designerstücke lokaler Künstler aus Bukarest erwerben. Ich hätte hier dutzende von Bildern machen können und es würde dennoch nicht annährend die Stimmung einfangen, die man erhält, wenn man hier über den knarzenden Parkettboden schreitet und hinter jeder der vielen Türen etwas überraschendes entdeckt. Neben den Artikeln, die verkauft werden, finden sich nämlich auch ganze Kunstwerke an den Wänden und ein Café lädt dazu ein, in seinen neu erworbenen Büchern zu schmökern.

Cărturești Verona

Cărturești Verona

Seitlich der alten Villa findet sich die Strada Pictor Arthur Verona, eine Straße die mit einer kleinen Sammlung von Graffitis aufwartet. In anderen Städten Osteuropas habe ich, was das angeht, aber schon bedeutend eindrucksvollere Arbeiten gesehen. Wenn man aber schon einmal in der Gegend ist, sollte man es sich zumindest jedoch nicht entgehen lassen.

Inzwischen war es 18 Uhr und während die Sonne sich langsam verabschiedete, meldete sich der Hunger. Da wir den noch etwas steigern wollten und Lust hatten auf einen Spaziergang und Bier, haben wir Berestroika Beer Revolution angesteuert. Um dorthin zu gelangen mussten wir in etwa 25 Minuten laufen und das Restaurant war diese Strecke auch wert: Die einzige Hausbrauerei von ganz Bukarest liegt etwas abseits der Hauptwege, jedoch ist sie nicht zu übersehen, wann man mal in der Nähe ist. Sowohl das blonde als auch das rote Bier für jeweils 12 Lei schmeckte sehr lecker.

Hausgebrautes Bier bei Berestroika Beer Revolution

Hausgebrautes Bier bei Berestroika Beer Revolution

Zu essen gab es neben lokaler Küche auch indische Gerichte. Sehr bald sollte sich auch zeigen, weshalb: Scheinbar waren wir wohl recht schnell als Ausländer enttarnt und die Besitzerin Anita gesellte sich zu uns um zu erfahren, wie wir dann auf ihre Adresse gekommen sind. Im weiteren Gespräch bot sie uns eine Führung durch die Brauerei an, was wir selbstverständlich nicht ausschlagen konnten: Beim Betrachten der Braukessel verrieht sie uns dann, dass es sie und ihren Mann Anfang der 2000er Jahre nach Bukarest getrieben hat. Ihnen hat es dann so gut gefallen, dass ihr Mann – ein Bierliebhaber – seiner Leidenschaft nachgehen wollte. 2009 wurde Berestroika Beer Revolution eröffnet und seit 2014 hat es eine Lizenz zum Bierbrauen, was in ganz Rumänien ziemlich konkurrenzlos ist für eine Brauerei ihrer Größe.

Nach einigen Bieren ging es dann nach Hause, denn für den kommenden Tag stand mal wieder ein umfangreiches Programm bevor.

Tag 3 – Nordstadt, Kommunismus-Tour

Nachdem wir das Hotel verließen, wollten wir nicht viel Zeit verstreichen lassen. Nur wenige Minuten von unserem Hotel kehrten wir im Café Dose ein.

Café Dose

Café Dose

Hier gab es 100%igen Arrabica-Kaffee – zum Glück bin ich also wieder im Instant-Kaffee herumgekommen. Zum Kaffee gab es für insgesamt 24 Lei ein leckeres Putenfocaccia. Das Lokal war minimalistisch eingerichtet und eigentlich ganz schick, aber auf Dauer nervte der Radiosender mit kitschigem Smooth Jazz doch ein wenig. Aber umso besser, denn wir sind ja nicht zum Ausruhen gekommen, sondern wollten mehr von Bukarest sehen.

Frühstück bei Café Dose

Frühstück bei Café Dose

45 Minuten Fußweg später betraten wir dann den Herastrau-Park. Dieser war typischen osteuropäisch eingebunden in viel Beton, ungepflegt und an vielen Stellen irgendwie kaputt. Mit anderen Worten: Für die meisten Leute nicht einladend! Ich hingegen finde das immer wieder sehr charmant und zu seiner Ruhe kommt man abseits des Verkehrs auch dann, wenn Bodenplatten schief liegen, Mülleimer aus den Angeln hängen und riesige Pfützen die Wege säumen.

Ein überfluteter Weg im Herastrau-Park

Ein überfluteter Weg im Herastrau-Park

Aus der Ferne des Parks konnte man bereits das Casa Presei Libere entdecken, das in Reichweite des Parks gelegen ist. Heute handelt es sich dabei um das Haus der freien Presse, aber sein stalinistischer Stil zeigt deutlich, dass das Gebäude nicht immer diesem Zweck diente.

Casa Presei Libere

Casa Presei Libere

Das davor gelegene Denkmal für die Opfer des Kommunismus betont das Ganze nochmals.

Wir kehrten dann nochmal in den Park zurück, um von hier aus das Muzeul Satului zu besuchen, ein Museum mit typisch rumänischen Bauernhäusern, die bereits seit den 50er Jahren im ganzen Land abgebaut und hier in Bukarest wieder aufgebaut werden.

Eingang vom Herastrau-Park zum Muzeul Satului

Eingang vom Herastrau-Park zum Muzeul Satului

Man kann hier einen Spaziergang durch die rumänische Bauerngeschichte machen und erhält auch groben Eindruck davon, unter welch kargen Bedingungen die Menschen früher und möglicherweise zum Teil auch noch heute leben. Der Eintritt ist mit 15 Lei für die große Fläche und die detailierte Darstellung absolut fair bemessen. Auch wenn mein Interesse an alten Bauernhäuser nicht riesengroß ist, habe ich mich hier nicht gelangweilt. Zudem habe ich für dich als Besucher ein kleines Rätsel: Greif mal in deinen Geldbeutel und zieh einen 10 Lei-Schein heraus. Auf einer Seite dieses Scheins ist ein gezeichnetes Haus, dessen Vorlage du genau in diesem Museum finden kannst. Als weitere Aufgabe könntest du auch mal die Anzahl an Katzen zählen. Zumindest ich habe irgendwann aufgehört, weil es so viele waren.

Haus vom 10 Lei-Schein

Haus vom 10 Lei-Schein

Verlassen haben wir das Museum in Richtung der Straße Șoseaua Pavel Dimitrievici Kiseleff. Wenn man dieser in Richtung Süden folgt, kommt man unweigerlich am Arcul de Triumf heraus, der einen unweigerlich an den Triumphbogen in Paris erinnert. Sicherlich nicht ohne Grund, denn wie schon erwähnt: Bukarest bezeichnet man ja als das Paris des Ostens, was sich eben auch an dieser Stelle niederschlägt.

Arcul de Triumf

Arcul de Triumf

Um zurück in die Stadt zu kommen, haben wir uns dafür entscheiden, die U-Bahn zu nehmen. Von der Haltestelle Aviatorilor fuhren wir bis zu Haltestelle Piața Unirii. Zu mehr als dem Zwecke der Fortbewegung dienen die U-Bahnen hier in Bukarest jedoch nicht. In zahlreichen anderen Ländern des Ostens – nicht nur in Russland – sind die Metrostationen oftmals mehr opulente Paläste als schnöde Haltestellen. Hier in Bukarest jedoch steht die Zweckmäßigkeit eindeutig vor der Ästhetik.

Am Einheitsplatz angekommen haben wir bei der To Go-Bäckerei Luca für 7,50 Lei Sandwiches gekauft. Das sollten nicht die letzten des Trips gewesen sein, denn frischer und leckerer geht es nicht. Wegen des kontinuierlich hohen Andrangs werden die Baguettes im Laden ständig frisch gebacken und kaum dass sie in der Auslage liegen, werden sie auch schon wieder verkauft. Eine lecke Empfehlung für diese Kette, die man auch andernorts in Bukarest findet!

To Go-Bäckerei Luca

To Go-Bäckerei Luca

Pünktlich um 14:30 Uhr fanden wir uns dann am Glockenturm des Palatul Patriarhiei ein, den Patriarchatspalast wieder. Hier steht auch ein Museum mit freiem Eintritt, für das wir jetzt jedoch keine Zeit hatten: Bereits in Deutschland haben wir eine als sehr gut bewertete Kommunismus-Tour durch Bukarest für knapp 16 Euro gebucht. Unser Guide Claudia sollte sich als Glücksgriff entpuppen. Aus den angekündigten Stunden wurden schlussendlich inkl. kurzer Pause 4 Stunden und selbstverständlich ließen sich Überschneidungen zur Free Walking Tour am Vortag nicht vermeiden, aber wer am Thema interessiert ist, sollte die englischsprachige Tour auf alle Fälle wahrnehmen. Neben des Umfangs ist auch die Gruppengröße hervorzuheben: Wir waren gerade einmal vier Gäste, sodass die Möglichkeit bestand, intensiv auf einzelne Fragen einzugehen.

Auf einer der ersten Stationen wurde etwa eine meiner großen Fragen geklärt, die mich begleitet, seit wir in Bukarest angekommen sind: Es gibt an allen Ecken Häuser, die ohne jeden Zweifel eine schöne Vergangenheit hatten, aber seit langer Zeit schon verfallen. Der Hintergrund: Während des Kommunismus wurden sämtliche Besitztümer verstaatlicht und so eben auch diese Häuser. Seit dem Ende des kommunistischen Regimes ist bei vielen dieser Häuser der Besitzstand nicht klar und so gibt es eben auch keine Klarheit, wem diese Häuser gehören. Und solange dies der Fall ist, wird der Zahn der Zeit weiter an diesen Gebäuden nagen, bis es irgendwann keine Rettung mehr geben wird.

Weiter ging es zur Academia Română, die wir zunächst von der Rückseite aus betrachten konnten. Hier ist gut zu sehen, wie ein solcher Mammutbau im Stil des sozialistischen Klassizismus hochgezogen wird. Die Rückseite wurde nämlich bis zum heutigen Tage nie fertiggestellt, lässt sich wegen des Zusammenhangs mit den Nachbargebäuden aber auch nicht einfach abreissen.

Academia Română von hinten

Academia Română von hinten

Gegenüber sieht man den Palatul Bragadiru, ein Gebäude das genau das Gegenteil ausdrückt: Eine filigrane, kunstvolle Fassade, wie sie genauso auch – mal wieder – in Paris zu finden sein könnte.

Palatul Bragadiru

Palatul Bragadiru

Weitere Teile der Stadt könnten auch heute noch von einem anderen Bukarest zeugen, aber die Kommunisten, allen voran Ceaușescu wollten es anders. Ein für sie glücklicher Umstand mit dem Erdbeben von 1977 wurde genutzt, um die demolierten Gebäude nicht etwa zu retten, sondern zusammen mit den noch intakten Häusern dem Boden platt zu machen. Es schien die Zeit für einen neuen Gigantismus anzubrechen, der ab 1982 seinen vollen Lauf nahm und der Stadt in weiten Teilen ein neues Gesicht gab. Sichtbar wird dies natürlich insbesondere am Parlamentspalast, den wir von mehreren Seiten begutachteten, dem wir uns zu einem späteren Zeitpunkt unseres Trips aber nochmals intensiver widmen wollten. Auf seiner Rückseite entsteht derzeit ein weiteres Riesenobjekt: Hier in Bukarest soll bis Ende 2018 die größte Kathedrale Osteuropas entstehen und von Weitem kann man bereits jetzt seine gigantischen Maße gut erahnen.

größte Kathedrale Osteuropas im Bau

größte Kathedrale Osteuropas im Bau

Ein bereits bekanntes, gigantisches Bauwerk konnten wir dann noch von vorne begutachten: Die Academia Română zeigte sich von ihrer schöneren und damit auch beeindruckenderen Vorderseite.

Die Tour sah auch eine kleine, 20-minütige Pause vor. Diese verbrachten wir im Haute Pepper, wo der Kaffee mit 9 Lei für bukarester Verhältnisse ziemlich teuer angesetzt ist. Da es sich um einen Schickimicki-Laden handelte, um den ich sonst eigentlich einen Bogen machen würde, war der Preis aber scheinbar angebracht.

Thematisch drehte es sich von nun an intensiv um den Untergang des Kommunismus in Rumänien allgemein und Bukarest im speziellen.

Wir sahen etwa Einschusslöcher an einem Haus, die davon zeugen, dass die Revolution hier im Gegensatz zu anderen Ländern des Warschauer Pakts nicht ohne Blutvergießen von Statten gingen und beendeten die Tour an der Piața Revoluției, wo auch Ceaușescu seine letzten Worte an die Bevölkerung richtete.

Entgegen der Ankündigung dauerte die Tour am Ende nicht drei, sondern vier Stunden, war damit aber keinesfalls zu lang.

Tag 4 – Schloss Peleș, Schloss Bran, Brașov

Da für den vierten Tag eine Tagestour angesagt war, klingelte der Wecker schon früh am Morgen. Die Tour zu Schloss Peleș, dem Dracula-Schloss Bran sowie der Großstadt Brașov für 63,20 Euro hatten wir bereits in Deutschland gebucht und war dort die am besten bewertete – wie sich herausstellte, nicht ohne Grund. Wir waren für diesen Tag die ersten Teilnehmer und hatten freie Platzwahl in einem neuen Sprinter-Bus. Dieser hatte nicht nur je Sitzreihe zwei USB-Anschlüsse zum Laden des Equipments, sondern auch Wlan. Und das funktionierte sogar in den entlegendsten Winkeln des Landes, fernab jeglicher sichtbarer Zivilisation, hervorragend. Ich habe natürlich keine aussagekräftigen Statistiken erhoben, möchte aber nicht unangemerkt lassen: Mit dem Wlan in deutschen ICEs habe ich bereits schon deutlich schlechtere Erfahrungen gemacht.

Wie dem auch sei: Nachdem der Bus alle Teilnehmer aufgelesen hatte, war es inzwischen 8 Uhr und die Reise nahm ihren Lauf. Gegen 10 Uhr machten wir einen Zwischenstop, um die die Vorräte aufzustocken, um schlussendlich um 10:30 Uhr den ersten Stop des Tages einzulegen: Schloss Peleș.

Schloss Peleș aus der Ferne

Schloss Peleș aus der Ferne

Wie es sich für ein Schloss gehört war dieses natürlich opulent und mit allem Luxus seiner Zeit ausgestattet. In diesem Schloss bedeutet dies aber etwas besonderes. Da es sich nämlich um ein vergleichsweise neues Schloss handelt, bedeutet der Luxus seiner Zeit, dass es – wie auch Schloss Neuschwanstein – einen Telefonanschluss hat. Außerdem hatte es bereits Elektrizität und zwei Aufzüge. Sämtliche Kamine sind darüber hinaus nicht funktionstüchtig, da das Schloss über eine Zentralheizung aufgeheizt werden konnte. Die um 11 Uhr startende Führung gab Aufschluss über die wichtigsten Räumlichkeiten und Einblick in die Eingangshalle mit den Bildern einiger deutscher Schlösser, die Waffenkammer mit 1000 Exponaten aus aller Welt, der Bibliothek mit Geheimtür, dem Musikzimmer mit Gemälden von nur 3 Jahreszeiten da Königin Elisabeth dem Winter nichts abgewinnen konnte sowie einigen anderen Sälen.

Innenhof von Schloss Peleș

Innenhof von Schloss Peleș

Das nahegelegene Schloss Pelișor, das bedeutend kleiner ist, haben wir noch von außen bestaunen können, möchte ich an dieser Stelle aber nicht unerwähnt lassen.

Schloss Peleș

Schloss Peleș

Um 12 Uhr verließen wir Schloss Peleș – benannt übrigens nach einem nahegelegenden Fluss, um um 13 Uhr bei Schloss Bran anzukommen.
Schloss Bran ist zwar der Teil der Tour, der am werbewirksamsten ist, aber eigentlich hinter den anderen beiden großen Stationen zurücksteht. Mehr noch: Es wird als Dracula-Schloss beworben, wobei Vlad hier nur wenige Nächte verbracht hat. Macht nichts: Wir haben uns das mittelalterliche Schloss Bran dennoch gerne angeschaut, wobei es deutlich hinter der vorherigen Station Schloss Peleș zurückliegt: Kleiner, wenig Pracht und deutlich überlaufener muss es sich im Vergleich deutlich geschlagen geben.

Schloss Bran

Schloss Bran

Um 14:30 Uhr ging es weiter zu einem weiteren Highlight: Nach nur 30 Minuten Fahrt kamen wir in Brașov an, einer rumänischen Großstadt mit 250.000 Einwohnern und einer sehr schönen Altstadt. Während die meisten der Gruppe entschieden, etwas essen zu gehen, wollten wir die Zeit möglichst effizient nutzen. Wir hatten etwa eineinhalb Stunden zur freien Verfügung und liefen durch die alten Gassen und konnten feststellen: Die Stadt – uns insbesondere ihr Stadtkern – ist vielleicht nicht riesig, aber es gibt einige sehr nette Flecken.

Marktplatz in Brașov

Marktplatz in Brașov

Wegen einer kleinen, deutschen Gemeinschaft und einer langen deutschen Historie haben einige Straßen rund um die schwarze Kirche deutsche Straßennamen. Auch ist Brașov unter dem deutschen Namen Kronstadt bekannt, was daher rührt, dass die Stadt rundherum von Bergen umgeben ist, die Brașov wir eine Krone wirken lassen.

Schnurgässchen - die schmalste Straße Osteuropas

Schnurgässchen – die schmalste Straße Osteuropas

Vor Abfahrt um 16:15 Uhr zurück nach Bukarest gab es noch eine halbstündige Führung, bei der es noch ein paar Hintergrundinformationen zu den Locations gab, an denen wir zuvor bereits auf eigene Faust vorbeigelaufen sind.

Da wir in Bukarest angekommen bislang nur Kleinigkeiten gegessen hatten, wollten wir nochmals essen gehen. Um nach einem langen, anstrengenden Tag nicht noch ewig herumzuirren, haben wir uns für einen Laden in der Nähe unseres Hotels entschieden. Fündig wurden wir bei Ciorbarie, einem Lokal, das sich auf Suppen spezialisiert hat. Wir kamen zwar kurz vor Ladenschluss, wurden aber schnell wie lange verschollene Familienmitglieder aufgenommen. Um ganz sicher zu sein, dass wir uns auch ja für die richtige Suppe entscheiden, konnten wir jede probieren, die wir wollten. Ich legte mich rasch auf die leicht scharfe Gulaschsuppe fest, während Boris sich für eine Fischsuppe entschied.

Suppen bei Ciorbarie

Suppen bei Ciorbarie

Für 15 Lei bekamen wir nicht nur Suppe und Brot: Der Besitzer Nicolae hat immer wieder betont, dass er am Abend schon das ein oder andere Bier intus hatte, sodass wir ebenfalls Lust auf ein Bier bekamen. Da er dieses nicht im Angebot hat, ist er schnell zur gegenüberliegenden Tankstelle gesprintet und drückte danach jedem von uns eine Flasche in die Hand: „It’s on the house.“

Ciorbarie

Ciorbarie

Nach dem Essen bekamen wir nicht nur nochmal einen Nachschlage („you must also taste this“), sondern philosophierten mit Nicolae über die bayerische Küche und die Gemeinsamkeiten zum rumänischen Essen, die Unterschiede unserer Sprachen und hatten einfach eine richtig gute Zeit, lange über die normale Öffnungszeit hinaus.

Die Situation hat uns endgültig vor Augen geführt, wie offen und herzlich die Rumänen sind. Noch bei keinem anderen Trip bislang bin ich so einfach mit Fremden ins Gespräch gekommen ohne dass sich dies irgendwie aufdringlich angefühlt hat – man merkt, dass das Interesse an den Menschen von Herzen kommt!

Tag 5: Museum für zeitgenössische Kunst, Carol Park, Fabrica und ganz viel Essen

Eigentlich hatten wir für diesen Tag einen Ausflug nach Constanța geplant. Mit diesem Vorhaben sind wir zum Bahnhof Gara București Nord gefahren, um dort zu erfahren, dass alle Züge des Tages bereits ausverkauft sind und wir höchstens Tickets für den Folgetag erhalten können. Von dieser Nachricht wollten wir uns natürlich nicht zurückwerfen lassen und haben uns die Fahrkarten für 119,20 Lei für Hin- und Rückfahrt am Folgetag umgehend gesichert. Damit waren die Pläne für den Tag zwar hin, aber es gab ja noch ausreichend Alternativprogramm für Bukarest.

Tipp: Solltest dich der Flughafentransfer bei der Anreise über den Gara București Nord führen, kaufe am besten gleich dein Zugticket, um auf Nummer sicher zu sein. Züge fahren auch nach Brașov. Insbesondere wegen Schloss Peleș lohnt sich natürlich die geführte Bustour, doch wem es nur um die Stadt geht, kann die Stadt so günstiger erreichen.

Da wir zu diesem Zeitpunkt noch kein ordentliches Frühstück hatten, suchten wir in Bukarest zunächst ein Café auf. Aus unserer Empfehlungsliste fiel uns Orygyns ins Auge. Dort wird zwar leider kein umfangreiches Frühstück über kleine Snacks hinaus angeboten, jedoch wurden wir erneut Zeugen der rumänischen Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Nicht nur erhielten wir eine Reihe von Frühstücksempfehlungen für die Umgebung, sondern die Besitzerin hat gleich bei einer Location angerufen um zu prüfen, ob denn schon geöffnet ist. Kurz vor 10 Uhr war dies noch nicht der Fall, aber wir waren dann pünktlich zur Eröffnung in einem Lokal namens La Mama.

La Mama

La Mama

Entgegen meiner Vermutung für ein Restaurant dieses Namens gab es keine italienische Küche, sondern rumänisches Essen. Wir entschieden uns für das umfangreichste Frühstück und bekamen für 27 Lei einen vollen Teller und für 5 Lei zusätzlich einen Kaffee. Für 12 zusätzliche Lei gönnten wir uns zudem einen Orangensaft.

Frühstück bei La Mama

Frühstück bei La Mama

Frisch gestärkt und mit Sonnenschein im Gesicht ging es zum Cișmigiu-Park. Typisch osteuropäisch war auch dieser ungepflegt, chaotisch, dreckig und wenig einladend, sobald man den Haupteingang erst einmal für einige Meter hinter sich gelassen hat. Als ich auch nur einen Fuß für ein Foto auf den ungepflegten rumänischen Rasen setzte habe ich jedoch umgehend einen Pfiff des Parkwächters kassiert – da kannte der Mann kein Pardon!

Cișmigiu-Park

Cișmigiu-Park

Haupteingang vom Cișmigiu-Park

Haupteingang vom Cișmigiu-Park

Von hier aus wollten zum Parlamentspalast. Hier zunächst jedoch zum Museum für zeitgenössische Kunst an der Rückseite des Gebäudes; die Führung durch den Palast hatten wir für Montag eingeplant, da schlechtes Wetter angekündigt war und alle anderen Museen der Stadt wie montags üblich auch hier geschlossen waren. Um dorthin zu gelangen, muss man das Gelände von der Südseite aus betreten. Wir haben hierfür eine fast vollständige Runde ums Gelände gedreht, um auch mal einen Eindruck von den Dimensionen zu erhalten. Der Weg lohnt sich aus ästhetischen Gründen sicherlich nicht, gibt einem aber ein gutes Gefühl, wie riesig dieser Klotz und seine Ausläufer sind.

Vermüllter Zugang zum Museum für zeitgenössische Kunst

Vermüllter Zugang zum Museum für zeitgenössische Kunst

Der Eintritt für das Museum für zeitgenössische Kunst kostet 16 Lei, die man zwingend bar begleichen muss. Über insgesamt 5 Stockwerke hinwegen erhält man ein wenig Einblick in die weniger glamourösen Teile des Palasts. Die Ausstellung im Erdgeschoss sieht ein wenig aus wie die das Archiv, das vielleicht tatsächlich an keiner anderen Stelle des gigantischen Baus Platz gefunden hat.

Ausstellung im Museum für zeitgenössische Kunst

Ausstellung im Museum für zeitgenössische Kunst

Im ersten Stockwerk werden Bilder vorallem aus dem 70er und 80er Jahren gezeigt. Eine ganze Reihe von Gemälden zeigen dabei Nicolae Ceaușescu und seine Frau Elena. Etwas irritierend erscheint es schon, diese Bilder komplett unreflektiert und ohne weiteren Hinweise in der Ausstellung in genau jenem Gebäude zu zeigen, für das das rumänische Volk sehr viel Leid erdulden musste. Hier hätte ich mir persönlich mehr Aufklärung und geschichtlichen Kontext gewünscht oder diese unpassenden Bilder eben nicht Teil des Museums für zeitgenössische Kunst werden lassen. Das zweite und dritte Stockwerk zeigt Kunst in Form von Plastiken, Video- und Toninstallationen, die zwar zu einem großen Teil aus den 70er und 80er Jahren stammen, aber nicht ganz so stark aus der Zeit gefallen wirken. Wo ich bis hierhin interaktive Kunst vermisste, wurde diese dann im vierten Stockwerk geboten.

Interaktive Kunst im Museum für zeitgenössische Kunst

Interaktive Kunst im Museum für zeitgenössische Kunst

In diesem Stockwerk gibt es zudem ein Café mit Zugang zu einer Terasse. Diese bietet Aussicht in Richtung Westen, also nicht zur Champs-Élysées-ähnlichen Straße Bulevard Unirii. Diese Seite ist wesentlich ungepflegter: Was man beim Betreten des Gebäudes bereits geahnt hat bewahrheitet sich von hier oben: Der ganze Teil hinter dem Parlamentspalast gleicht einer Müllhalde.

Parlamentspalast

Parlamentspalast

So entschieden wir uns auch dagegen, hier zu bleiben, sondern widmeten uns einem anderen Café zu: Bei Coffeöl steht die berühmt-berüchtigte Snickers-Madness für 26 Lei auf der Karte. Dieses besteht aus einem großen Glas voller Milchshake mit Erdnussstückchen, Sahne, zwei großen Kugeln Eis, das Glas ist am oberen Rand mit Nutella bepinselt, womit Salzbrezeln festgeklebt sind, und als ob die Karamellsoße nicht schon genug wäre, thronen über alledem zwei halbe Snickersriegel.

Snickers-Madness bei Coffeöl

Snickers-Madness bei Coffeöl

Um das Gebotene mit einem Wort zu beschreiben: Zuckerexplosion! Bukarest möchte in vielen Dingen einfach neue Maßstäbe setzen und Snickers-Madness brachte viele dieser typisch rumänischen Extreme zusammen: Menge, Zuckergehalt, Anzahl der Zutaten und nicht zuletzt: Mein anschließender Zustand: Alles extrem! Ich bin ja wirklich einiges gewohnt, aber nach dem Ding war mir echt schlecht. Wir mussten unbedingt einen ausgiebigen Spaziergang machen, damit ich nicht auf der Stelle einschlafe. Bei weiterhin herrlichem Sonnenschein ging es zum Carol Park, an dessen Eingang sich ein kleiner Flohmarkt befand; ich nehme an, diesen findet man jedoch nur samstags dort.

Eingang zum Carol Park

Eingang zum Carol Park

Entgegen aller Erwartung war der Carol Park ziemlich gepflegt, nicht alle Steinplatten kaputt und folglich ist das hier auch der Park mit der höchsten Menschendichte: Kinder auf Rollschuhen, Teenager auf Skateboards und Twens auf Rollern Alle waren sie auf den Beinen und genossen das schöne frühlingshafte Wetter.

Carol Park

Carol Park

Am Ende der großen Treppenanlage findet man neben dem weithin sichtbaren Turm auch ein ewiges Feuer, das von zwei stillstehenden Soldaten bewacht wird.

Ewiges Feuer im Carol Park

Ewiges Feuer im Carol Park

Auf dem Weg zum Park sind wir noch an einem Hof vorbeigekommen, den keiner von uns auf seiner Liste hatte, aber unser beider Neugier weckte, sodass wir zurückkehrten: Fabrica ist ein junges Lokal, das zwischen zwei alten Fabrikhallen aus Backstein einem vornehmlich jungen Publikum günstige Getränke und Essen bietet. Umgeben von Streetart ließen wir uns ein kühles, lokales Bier für 8 Lei schmecken und waren froh, die Nachwehen der Snickers Madness hinter uns gelassen zu haben.

Fabrica

Fabrica

Street Art bei Fabrica

Street Art bei Fabrica

Boris war sogar schon wieder soweit, Hunger zu haben. Davon war ich zwar weit entfernt, aber so langsam zeigte sich wieder ein wenig Appetit.
Eine kurze Tripadvisor-Recherche brachte uns zu PikaKlara, ganz in der Nähe. Spezialisiert hat man sich hier auf Gerichte mit Pulled Pork. Ich war bereits kurz davor, mich für den Burger zu entscheiden, nahm dann aber doch die Spezialität des Hauses: Kapsalon. Ursprünglich stammt dieses Gericht eigentlich aus den Niederlanden, hat aber seinen Weg hierher nach Bukarest gefunden. Dabei wird das Pulled Pork zusammen mit Pommes-Frites und Goude-Käse erhitzt, mit Rucola angerichtet und mit Knoblauchsoße übergoßen. Klingt lecker, ist lecker.

Kapsalon bei PikaKlara

Kapsalon bei PikaKlara

Während wir so saßen kamen wir wieder mal mit dem Besitzer ins Gespräch, der es sich nicht nehmen ließ, uns noch auf die Pizza Calzone am Stiel einzuladen. Ich hatte ja eigentlich schon mit der großen Portion Kapsolon zu kämpfen und die Pizza am Stiel besiegelte dann mein weiteres Schicksal für diesen Tag. Nach der Snickers-Madness ging es mir schon nicht gut, aber spätestens nach diesem Essen war mir nicht mehr zu helfen.

Die anschließenden 5 Kilometer Fußmarsch bis zum Hotel waren eine goldrichtige Entscheidung und in Bett liegend bin ich bis zum nächsten Morgen ins Foodcoma gefallen.

Tag 6: Constanța und der schlimmste Tag meines Lebens als Wochenendnomade

Das, was Tags zuvor nicht geklappt hat, haben wir nun an Tag 6 wahr gemacht: Die Tickets hatten wir ja bereits und so mussten wir einfach nur rechtzeitig am Bahnsteig des Bahnhofs Gara București Nord erscheinen um nach Constanța zu fahren.

Zug nach Constanța

Zug nach Constanța

Der Zug fuhr pünktlich ab, war sauber und wie man beim Ticketkauf bereits ahnen konnte: bis auf den letzten Sitzplatz ausgebucht.
Bukarest haben wir bei viel Kälte und starkem Wind verlassen und hatten irgendwie die naive Vorstellung, dass ein Tag am Meer ja eigentlich nur schönes Wetter mit sich bringen kann. Damit lagen wir sehr offensichtlich gänzlich falsch. Mehr noch: In Constanța angekommen war es sogar noch windiger. Dass das am Meer nicht ganz so ungewöhnlich ist, hatten wir irgendwie ausgeblendet.

Ankunft in Constanța

Ankunft in Constanța

Die Kombination aus Wind und Nieselregen war nicht nur furchtbar unangenehm, sondern trieb die Kälte in alle Ritzen. Wir wollten daher schnellstmöglich eine Möglichkeit finden, dem Wetter zumindest für einen Moment zu entfliehen. Nach einer guten halben Stunde Fußweg erreichten wir zufällig das maritime Museum, das den perfekten Zufluchtsort für diesen Moment bot. Wir hatten keine großen Ansprüche außer einem Dach über dem Kopf und waren dann doch überrascht, dass sich der Museumsbesuch gelohnt hat. Die Ausstellung ist um einiges größer, als das Gebäude von außen vermuten lässt und bietet auch einige Exponate, die interessant sind und die gesamte maritime Geschichte der Gegend abdeckt.

Maritimes Museum von Constanța

Maritimes Museum von Constanța

Als wir den Außenbereich betraten wurden wir dann wieder mit der harten Realität des Wetters an diesem Tag konfrontiert. Aber was half es? Wir sind ja auch nach Constanța gekommen, um etwas von der Stadt mitzubekommen.

Da wir bis dahin neben dem maritimen Museum nur Plattenbauten gesehen haben war klar, dass die Stadt noch ein wenig mehr zu bieten haben muss.
Tatsächlich gab es eine kleine Innenstadt mit schönen Gebäuden und die Anzahl der Cafés und Restaurants ließ darauf schließen, dass hier an anderen Tagen bedeutend mehr los sein muss. An diesem Tag jedoch waren nur vereinzelt Menschen auf den Straßen.

Menschenleere Innenstadt von Constanța

Menschenleere Innenstadt von Constanța

Eine weitere knappe Stunde an der frischen Luft und der aufkommende Hunger haben uns veranlasst, mal nach etwas Essbarem zu suchen. Dank Tripadvisor wurden wir bei Tara’s Gastropub fündig. Da es sich um eine neue Stadt handelte, konnten wir nicht anders als unserer Regel folgen: Neue Stadt heißt lokaler Burger. Für 27 Lei konnten wir diesen Wunsch befriedigen. Fürs Essen haben wir uns ungewohnt Zeit gelassen. Bei laut Wetterapp gefühlten -7 Grad Celsius und nicht so richtig angemessener Kleidung blieben wir lieber noch in der warmen Umgebung.

Cheeseburger bei Tara's Gastropub

Cheeseburger bei Tara’s Gastropub

Als wir das Lokal nach guten eineinhalb Stunden verließen, hatte zumindest der Nieselregen aufgehört. Da wir bislang vom Schwarzen Meer nur den Industriehafen in der Ferne zu Gesicht bekamen, war es auch mal an der Zeit, ans Wasser zualso  kommen.

Auf dem Weg dorthin kamen wir vorbei an einer recht großen Moschee, dessen Turm – wie wir später erfuhren – begehbar ist. Wegen des starken Windes wäre dies aber sicherlich kein so großes Vergnügen gewesen, weshalb wir nicht so sehr bereuen, diese Möglichkeit ungenutzt gelassen zu haben. Wir näherten uns weiter dem Wasser.

Moschee in Constanța

Moschee in Constanța

So schön das alte Casine dort direkt am Wasser auch war, so sehr merkte man, dass nicht nur wir unter dem Wetter litten: Mit jedem Schritt auf das Gebäude wurden die Schäden offensichtlicher und es ist wirklich bedauerlich, was mit einem solchen Prachtbau passiert, wenn sich niemand darum kümmert und es nach und nach immer mehr verkommt.

Casino in Constanța

Casino in Constanța

Eine weitere Stunde an der Kälte, die durch den Meereswind noch bedeutend schlimmer war als im Rest der Stadt, trieb uns ins nächste Café. Am Hafen fanden sich eine ganze Reihe von kleinen Pavillons mit großen Panoramafenster. Wir entschieden uns für La Bussola, da am wenigsten schick erschien. Leider zog es in der Hütte auch wie Hechtsuppe und wir blieben nur kurz für eine heiße Schokolade für 12 Lei.

Aussicht auf den Hafen bei La Bussola

Aussicht auf den Hafen bei La Bussola

Unser Zug zurück war eigentlich für 19 Uhr anberaumt, da aber weiterer Regen drohte, machten wir uns bereits um 17 auf den Weg dorthin. Wir wollten die Zeit vor der Abfahrt in einem warmen Café verbringen. Leider ging dieser Plan nicht auf: Am Bahnhof befand sich weit und breit und nur ein Grill, in dem von Gemütlichkeit keine Rede sein konnte. Rechtzeitig schafften wir es auch nicht mehr dorthin, sondern waren bereits ordentlich durchnässt. Immerhin konnten wir bei einer Cola ein wenig trocknen.

15 Minuten vor der geplanten Abfahrt gingen wir dann zum Bahnhof – in Bukarest stand der Zug bei der Abfahrt am Morgen auch schon länger bereit und wir hatten dieselbe Hoffnung für diesen Tag, dass wir direkt in den Zug einsteigen können. Diese Hoffnung war vergebens und nicht nur das: An diesem Punkt beginnt eine Odyssee, die sich zum schlimmsten Reiseerlebnis entwickeln sollte, das ich bis dahin erleben sollte. Aber der Reihe nach:

Überfüllter Bahnhof in Constanța

Überfüllter Bahnhof in Constanța

Beim Betreten des Bahnhofs war nahezu jeder Quadratmeter voll mit Menschen. Mit zwei von ihnen – Valentin und Evelyn – kamen wir recht schnell ins Gespräch. Die beiden beruhigten uns, dass derartige Zustände recht üblich sind für Rumänien. Wir hatten ja Sitzplatzreservierungen, also machten wir uns keine großen Sorgen. Als ein Zug 5 Minuten nach unserer geplanten Abfahrt um 19 Uhr einfuhr, hatten wir ebenfalls noch keine großen Sorgen. Erste Zweifel begannen jedoch, als wir sahen, dass unser Waggon 3 nur Plätze der 1. Klasse hatte. Solchen für uns unnötigen Luxus gönnen wir uns nie. Nach einigem Herumirren betraten wir jedoch vorsichtshalber mal den Zug. Trotz aller Menschenmassen in den Gängen waren noch jede Menge Plätze frei, was den weiteren Zweifel in uns weckte. Ein wenig Herumfragen brachte uns schließlich zu jemanden, der englisch sprach. Das Mädel erklärte uns, dass dies der Zug ist, der eigentlich um 17 Uhr hätte abfahren sollte; der Zug hatte also nicht etwa 5 Minuten Verspätung, sondern über 2 Stunden Verspätung. Sie empfahl uns dringend, dass wir unsere Tickets am Infoschalter umtauschen sollen. Wir waren uns zunächst unschlüssig, wie wir mit dieser Situation umgehen: Steigen wir aus, fährt der Zug vielleicht weg, bevor wir zurückkehren. Bleiben wir drin, werden wir vielleicht ohne gültiges Ticket an irgendeinem rumänischen Bahnhof abseits jeglicher Zivilisation rausgeworfen.
Die Entscheidung fiel auf Risikovariante 1: Wir stiegen aus.

Im Bahnhofsgebäude fanden wir Valentin und Evelyn wieder. Die beiden hatten bereits die Informationen, dass unser eigentlicher Zug ebenfalls eine Verspätung hat, aber recht bald noch auftauchen sollte. Wir nutzten die Gelegenheit, um uns im kalten Bahnhofsgebäude auszutauschen. Von Valentin erfuhren wir, dass er Anfang 40 und seit kurzem eine neue Karriere angefangen ist. Er ist zuvor 16 Jahre zur See gefahren und hat 10 Jahre davon als Kapitän auf Schiffen mit bis zu 300 Meter Länge gearbeitet. Es gibt kaum ein Land, das er in der Zeit nicht gesehen hat, aber mit zwei Kindern wurde es ihm irgendwann zu viel. Er lernte auf den monatelangen Reisen Programmieren und ist nun Software-Entwickler in Bukarest. In Constanța ist er immer nur am Wochenende bei seiner Familie.
Evelyn war jünger und kurz davor ihren Doktor der Medizin fertigzustellen. Sie arbeitet in einem Krankenhaus in Bukarest und ist ebenfalls nur am Wochenende in Constanța. Ein komischer Zufall war, dass wir uns vom Sehen bereits kannten: Evelyn saß uns bei der Fahrt von Bukarest nach Constanța am Morgen im Zug genau gegenüber.

Gefroreners Wasser am eiskalten Zug

Gefroreners Wasser am eiskalten Zug

Während wir uns unterhielten verging immer mehr und mehr Zeit. Der Zug fuhr gegen 20 Uhr mit schlussendlich 3 Stunden Verspätung los. Wohlgemerkt war dies nicht unser Zug! Wir standen weiterhin im Bahnhof und während wir immer mehr froren erhielten wir immer wieder mal ein paar Informationsfetzen: Mal sollte ein Zug um 22 Uhr, mal um 23 Uhr fahren. Einmal sollte an Stelle einer E-Lok eine Diesellok die Fahrt übernehmen, mal sollte ein Zug kommen der Bukarest nur als Zwischenstation hat und wegen zahlreicher Zwischenhalte bedeutend länger brauchen würde, mal sollten zwei Züge zusammengelegt werden, was unsere Sitzplatzreservierung nichtig und zu einem vollen Zug geführt hätte. Am Ende herrschte viel Verwirrung und mit jeder Minuten wuchs die Kälte und die Hoffnung. Etwas Abwechslung bot der Apfelstrudel, den Evelyn uns irgendwann anbot. Valentine hatte uns zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen. Als ITler konnte er seiner Arbeit notfalls auch remote von zu Hause aus nachgehen.

Ohne Backup-Option für den Fall der Fälle waren wir unglaublich froh, als endlich um 23 Uhr ein Zug in den Bahnhof einfuhr. Dieser war überraschend lang und da viele Fahrgäste inzwischen bereits wieder nach Hause gegangen sind, war der Zug recht leer. Nach mehr als 4 Stunden Wartezeit in der Kälte dachten wir, dass nun alles gut wird. Uns war nicht klar, dass der beste Teil des Abends hinter uns lag und es noch um ein Vielfaches schlimmer werden sollte.

Bereits beim Einfahren des Zuges wunderten wir uns: Der Zug war besetzt mit Passagieren, aber im Inneren war es ziemlich finster. Als jeder ausgestiegen war mussten wir feststellen, dass im Zug nur die Notbeleuchtung lief und es darin genauso kalt wie draußen war. Sprich: Es herrschten Minusgrade!
Der Waggon bei der Fahrt am Morgen war gut beheizt und wir gingen davon aus, dass die Heizung bei Abfahrt bestimmt gleich wieder alles aufheizen würde. Wie sehr man sich doch irren kann!

Zunächst dauerte es erste einmal geschlagene 45 Minuten, bevor der Zug sich in Bewegung setzte. Zu unser aller Schrecken allerdings in die falsche Richtung. Selbst Evelyn, die mit uns zusammen saß, wurde sehr skeptisch, ob dies denn der richtige Zug war. Kurze Zeit später kamen wir aber wieder zum Stehen.
Weitere 15 Minuten später fuhr der Zug dann tatsächlich und in die richtige Richtung los. Wir saßen nun bereits eine geschlagene Stunde im dunklen Zug in der Kälte, die bedeutend schlimmer war als die ebenfalls nervenaufreibende Kälte der 4 Stunden im Bahnhof zuvor. In diesem Moment ging zwar endlich die Beleuchtung an, aber die Heizung war weiterhin nicht zu spüren.

Nicht nur, dass die Heizung die gesamte Fahrtdauer über nicht funktionieren sollte, stieg die Beleuchtung bald darauf wieder zurück auf Notbeleuchtung.
Wir saßen also im Halbdunkel bei Minusgraden. Was die Menschen zu anfangs irgendwie noch mit Humor nahmen, fühlte sich nach und nach immer angespannter an. Die Kälte wurde auf Dauer immer schlimmer, was zuletzt auch darauf zu schieben war, dass niemand auf solch einen Wintereinbruch gefasst war und die passende Kleidung trug: Während wir so im Zug durch Rumänien gondelten fuhren wir durch weiße Landschaften: In den Stunden zuvor ist auf dem Land einiges an Schnee gefallen. Das unangenehme, zugige Herbstwetter vom Morgen schlug um in einen vollwertigen Winter.

Halbleerer Zug mit Notbeleuchtung

Halbleerer Zug mit Notbeleuchtung

Sitzen konnte ich irgendwann nicht mehr. Wie auch die meisten anderen Passagiere bin ich aufgestanden, gehüpft, habe mich gedehnt, gestreckt und Liegestütze an den Sitzen gemacht: Hauptsache warm werden, nicht vollständig auskühlen, alle Reissverschlüsse bis zum Anschlag zuziehen.
Irgendwann sind sämtliche Gespräche verstummt: Die Menschen waren nur noch darauf bedacht, ihre Energie beisammen zu halten, um sich im Rahmen der Möglichkeiten warm zu halten.
Die übliche Fahrtdauer von etwa zweieinhalb Stunden war bereits gebrochen als irgendwann das ganze Licht ausfiel. Wo zuletzt die Notbeleleuchtung die Situation zumindest noch etwas aufhellte, saßen wir nach 3 Stunden vollständig im absoluten Dunkel.

Die einzige Beleuchtung - Smartphonedisplays

Die einzige Beleuchtung – Smartphonedisplays

Mittels GPS versuchten wir auf unseren Smartphones nachzuvollziehen, wie weiter wir noch von Bukarest entfernt waren. Der Punkt schien sich auf der Karte so gut wie nicht zu bewegen.

Nach einer weiteren Stunde im vollständigen Dunkel und insgesamt 4 Stunden Fahrzeit in der Kälte kamen wir am Bahnhof in Bukarest an. Die letzten 15 Minuten der Fahrt waren dabei die schlimmsten: Durch die Fensterscheiben konnten wir bereits die Lichter der Stadt um uns herum sehen und das Navi zeigte 5 Kilometer Entfernung bis zum Bahnhof Gara București Nord, die aber gefühlt nicht weniger werden sollten.

Bukarest empfing uns mit bitterer Kälte komplett in weiß und mit eisglatten Wegen. Ein Taxi fanden wir nur mit viel Mühe, viel Bibbern und ein ganzes Stück vom Bahnhof entfernt.

Mit dem Heimweg gerechnet waren wir nun in etwa 9 Stunden der Kälte ausgesetzt, wobei es mit jeder Stunde irgendwie schlimmer wurde.
Nie war ich glücklicher, ein Hotelzimmer zu betreten und eine heiße Dusche zu nehmen.

Auf meinen zahlreichen Reisen, die mich häufig an nicht gerade typisch-touristische Orte führen konnte ich schon so manches Erlebniss sammeln, aber etwas derartiges Extremes war nie dabei. Das Schöne ist, dass die viele Reiserei dazu beigetragen hat, auch eine solche Situation vergleichsweise gelassen auf mich zu nehmen. Zu jedem Zeitpunkt hatte ich die feste Überzeugung, dass alles ein gutes Ende nehmen würde und daran kam nie der leisteste Zweifel auf, so sehr sich die Situation auch von Stunde zu Stunde verschlechterte. Dieser Tag war ohne jeden Zweifel ein gewaltiger Schritt aus der eigenen Komfortzone. Zu einem früheren Zeitpunkt im Leben hätte mich diese Situation gewiss weit in der Panikzone getrieben. Mit dem Abstand von zwei Tagen, mit denen ich die Erlebnisse gerade schriftlich festhalte – ich sitze gerade im Flugzeug auf der Rückreise – bewerte ich dieses Erlebniss als sehr, sehr wertvoll. Am Tag selbst jedoch war ich jedoch auch sehr, sehr froh, eine heiße Dusche nehmen zu können und endlich ins Bett gehen zu können.

Tag 7: Parlamentspalast

Dieser Tag stand unter einem anderen Vorzeichen als alle Tage zuvor: Wir hatten tags zuvor eine Führung um 11 Uhr im Parlamentspalast reserviert, was ja an und für sich kein Problem gewesen wäre. Jedoch sind wir erst gegen 5 Uhr ins Bett gekommen, nachdem wir eine Nacht erlebt haben, die gute Basis für einen Horrorfilm bieten würde.

Ich hatte einen Moment lang in der Nacht davor mit dem Gedanken gespielt, die Tour ausfallen zu lassen. Boris fand jedoch zum Glück die richtigen Worte, um mich von diesem Plan abzubringen. Dieser letzte Tag vor unserer Abreise war die einzig verbleibende Chance, den Parlamentspalast zu sehen.
So sind wir also um 9 Uhr aufgestanden. Wir hatten damit also 4 Stunden Schlaf – in etwa die Dauer, die wir in der Nacht im bitterkalten Zug zugebracht hatten.
Das Aufstehen fiel nicht ganz so einfach, aber immerhin waren wir inzwischen wieder aufgetaut.

Ausnahmsweise haben wir uns auch nicht zu Fuß fortbewegt, sondern sind mit der Metro gefahren. Als wir das Hotel verließen und die schneebedeckte Stadt erstmalig bei Tageslicht sahen war klar, dass dies eine gute Entscheidung war. Die Gehwege waren eisglatt unter der Schneeschicht und Schneematsch erschwerte das Überqueren aller Straßen.

In der Nähe des Palasts gingen wir erstmalig zu einem Take 5. Dies ist eine Kette, deren Filialen sich in der ganzen Stadt finden. Alles, was dort angeboten wird kostet 5 Lei. Wir holten uns ein Müsli und einen Kaffee, was zusammen also 10 Lei kostete. Außerdem wärmten wir uns ein wenig auf. Wo es nur ging wollte ich Kälte zunächst einmal vermeiden.

Take 5

Take 5

Etwas wacher machten wir uns auf zum Palast. Wir befanden uns bereits auf der richtigen Seite für die Führung. Der Eingang befindet sich auf der Nordseite des Gebäudes. Von den Wachmännern sollte man sich nicht abschrecken lassen, sondern das Gelände betreten – die Ausschilderung lässt hier leider etwas zu wünschen übrig.

Eingang zum Parlamentspalast

Eingang zum Parlamentspalast

Eine Reservierung ist zwingend erforderlich und kann maximal einen Tag im Voraus erfolgen. Die Bezahlung der 30 Lei für die Tour durch den Parlamentspalast muss in bar erfolgen, da Kartenzahlung nicht akzeptiert wird. In der Lobby steht aber ein Geldautomat, sodass man falls nötig noch Geld abheben kann.
Man muss ca. 15 Minuten vor der verabredeten Zeit erscheinen und muss danach noch mit weiteren 15-30 Minuten Sicherheitscheck aller Teilnehmer rechnen, bevor die Tour tatsächlich starten kann. Für den Sicherheitscheck ist es wichtig, dass man seinen Personalausweis oder Reisepass bereit hält. Diesen muss man für die Dauer der Tour zwingend abgeben und erhält für die Dauer der Führung eine Hundemarke, die man ständig gut sichtbar bei sich tragen muss.
Leider wird im gesamten Jahr 2018 nur die Standardtour – also ohne Terrasse und Untergrund – angeboten. Wer unbedingt einen Blick von einer Terrasse werfen möchte, hat vom obersten Stockwerk des Museums für zeitgenössische Kunst an der Rückseite des Gebäudes die Möglichkeit hierfür. Wir haben dies an Tag 5 unseres Trips genutzt.

Ohne Terrasse und Untergrund dauert die Tour in etwa eineinhalb Stunden. Die erweiterte Führung soll in etwa doppelt so lang ausfallen.
Während der Tour wird nicht mit Superlativen gegeizt und das Innenleben raubt einem an vielen Stellen den Atem.

Ich bin sehr froh, dass Boris mich zu der Tour überreden konnte, denn auch wenn man nicht einmal ein Zwanzigstel des Gebäudes zu Gesicht bekommt ist auch schon dieser Bruchteil alleine eine Reise nach Bukarest wert. Ein Besuch des Palasts ist definitiv ein Must-Do in dieser Stadt.

Nach dem Pentagon ist der Parlamentspalast das größte Verwaltungsgebäude der Welt

Nach dem Pentagon ist der Parlamentspalast das größte Verwaltungsgebäude der Welt

Kronleuchter mit 5 Tonnen Gewicht

Kronleuchter mit 5 Tonnen Gewicht

99,99% aller verwendeten Materialien stammen aus Rumänien

99,99% aller verwendeten Materialien stammen aus Rumänien

Pink Room. Die Farbe wurde verwendet, da hier Staatsempfänge stattfinden und pink in keiner Nationalflagge vorkommt

Pink Room. Die Farbe wurde verwendet, da hier Staatsempfänge stattfinden und pink in keiner Nationalflagge vorkommt

Überreste eines Filmdrehs. Der Palast diente als Kulisse für Szenen im Vatikan.

Überreste eines Filmdrehs. Der Palast diente als Kulisse für Szenen im Vatikan.

Der größte Saal ist größer als ein Fußballfeld

Der größte Saal ist größer als ein Fußballfeld

Als erster Mensch sprach Micheal Jackson von diesem Publikum zum Volk und begrüßte fälschlicherweise die Menschen von Budapest, nicht Bukarest.

Als erster Mensch sprach Micheal Jackson von diesem Publikum zum Volk und begrüßte fälschlicherweise die Menschen von Budapest, nicht Bukarest.

Ein weiteres Must-Do galt es für uns nach dem Palastbesuch nachzuholen: Endlich mussten wir uns auch nochmal der lokalen, rumänischen Küche zuwenden. Bereits seit Längerem geplant sind wir ins Restaurant Caru Cu Bere gegangen. Dies ist eines der ältesten Häuser von Bukarest und bietet deftige Speisen in fast schon antiquierter Umgebung. Die vielen Servicekräfte müssen bei der noch bedeutend größeren Anzahl von Gästen ziemlich spurten, verlieren dabei aber weder Freundlichkeit noch Professionalität.

Caru Cu Bere

Caru Cu Bere

Das Essen steht zügig auf dem Tisch und wird begleitet von lokaler Livemusik. Wir haben uns als Speise für eine fettreiche Spezialität mit Wurst und Fleisch entschieden, die hervorragend mit einem rumänischen Bier harmonierte und zusammen 60 Lei kostete.

Mittagessen bei Caru Cu Bere

Mittagessen bei Caru Cu Bere

Über das Essen haben wir die Kalorien reingeholt, die wir nachts beim Bibbern verloren haben, waren aber in Folge dessen auch ziemlich außer Gefecht gesetzt.
Da ich sowieso noch ein kleines Souvenir kaufen wollte, haben wir einen erneuten Besuch des Carturesti Carusel verbunden mit einem Besuch des Cafés im obesten Stockwerks, um ein Heißgetränk zu uns zu nehmen.

Leider hat dessen erhoffte Wirkung nicht seine volle Pracht entfaltet – die letzte Nacht war einfach zu anstrengend. Deshalb haben wir uns totmüde zurück ins Hotel geschleppt, um dort ab 17 Uhr ein kleines Nickerchen einzulegen. Da wir sowieso alle uns wichtigen Sehenswürdigkeiten gesehen hatten und der Schneematsch einfach überall im Weg war, hatten wir mit dieser Entscheidung kein sonderlich schlechtes Gewissen.

Als wir 3 Stunden später aufwachten hatten wir zwar den Schlafdefizit reingeholt, aber keine Lust mehr das Zimmer zu verlassen. Einerseits ist das sicherlich bedauerlich, andererseits aber konnte ich die Zeit nutzen um einen großen Teil des vorliegenden Reiseberichts zu verfassen – für diesen Zweck hatte ich schließlich auch Tablet und Bluetooth-Tastatur mitgenommen.

Tag 8: Heimreise

Unser Flug war auf 13:20 Uhr angesetzt: Zu früh, um noch eine große Attraktion anzuschauen, zu spät um in Hast zum Flughafen zu eilen.
Somit blieb uns ein entspannter Mittelweg. Zum Frühstück gingen wir nochmal zum Café Dose, wohin wir gleich mit dem Gepäck gehen konnten. Dort bestellten wir nochmal dasselbe wir einige Tage zuvor.

Tiefenentspannt und mit viel Vorlauf gingen wir dann zur Haltestelle. Just in dem Moment, als wir ankamen fuhr gerade der Bus 783 ein – also exakt die Linie, die uns zum Flughafen führte. Wir mussten zwar einige Meter durch den Schneematsch rennen, aber der Busfahrer gab uns mit einem Lächeln zu verstehen, dass er auf uns warten würde – typisch rumänisch freundlich und zuvorkommend eben.

Der Rückflug hatte beim Start zwar eine Stunde Verspätung, was bei den Wetterverhältnissen aber auch nicht weiter verwunderlich gewesen ist. Einen großen Teil dieser Verspätung holten wir bis auf 10 Minuten im Flug auch wieder ein.

Die Wege von Boris und mir trennten sich am nürnberger Hauptbahnhof. Ich hatte meine Fahrkarte bereits vorab als Sparpreisticket für 14,90 Euro mit der Bahncard gekauft und mir einen kleinen Aufenthalt in Nürnberg eingeplant. Wenn ich schon einmal dort bin, habe ich die kurze Zeit genutzt und mich mit meinem alten Freund Markus getroffen, den ich nun mehr einige Jahre nicht gesehen habe.

Auf der Rückfahrt verfasse ich gerade aktuell die letzten Zeilen meines Reiseberichts. Mit ein wenig zeitlichem Abstand werde ich diesen dann nochmals Korrektur lesen, noch die Bilder bearbeiten, diese einfügen und als Ganzes veröffentlichen.

Schreiben des Reiseberichts

Schreiben des Reiseberichts

Als Resümee der Reise bleiben ein paar Dinge ganz besonders präsent: Ganz ohne jeden Zweifel werde ich den Horror von Tag 6 als einen der schlimmsten meines Lebens nie wieder vergessen. Ich bin froh, trotz aller Geschehnisse den imposanten Parlamentspalast dennoch auch von innen gesehen zu haben. Natürlich bleiben aber auch auf ganzer Linie positive Erinnerungen. Allen voran sind hier mit Sicherheit die vielen Menschen zu nennen, die diesen Trip mit ihrer offenen Art und Herzlichkeit ganz besonders gemacht haben. Meine Sorge, dass uns schneller langweilig wird, als dass die 8 Tage vorrüber sind ist definitiv nicht eingetreten! An Langeweile hat es definitiv nicht gemangelt. Alleine die Tatsache, innerhalb von nur zwei Tagen einen sonnigen Frühling, einen stürmischen Herbst und einen bitterkalten Winter zu erleben brachte ein mehr als ausreichendes Kontrastprogramm.

Abrechnung

Für die Reise nach Bukarest habe insgesamt knapp 400 Euro gezahlt. Für 8 Tage macht das also in etwa 50 Euro am Tag für An- und Abreise, Unterkunft, Essen und Trinken, Tagesausflüge und Eintritte – im Grunde genommen also alles. Was hier in der Kalkulation jedoch nicht aufgeführt ist: Kleinere Snacks sowie Trinkgelder. Spare bitte insbesondere hier nicht am falschen Ende: Wenn du guten Service erhältst, soll das auch belohnt werden.

390,95€
Flug und Hotel für 7 Nächte150,00€
Bahnfahrt zum/vom Flughafen29,80€
Flughafentransfer von/nach Bukarest9,00 Lei (1,93€)
Abendessen bei Burger Van42,00 Lei (8,99€)
Frühstück bei Buoni e Bravi16,00 Lei (3,43€)
Free Walking Tour0,00 Lei (0,00€)
Brunch bei Dianei 438,00 Lei (8,14€)
Abendessen bei Berestroika Beer Revolution64,00 Lei (13,70€)
Frühstück bei Cafe Dose24,00 Lei (5,14€)
Eintritt für Muzeul Satului15,00 Lei (3,21€)
Sandwich bei Luca7,50 Lei (1,61€)
Kommunismus-Tour durch Bukarest15,00€
Kaffee bei Haute Pepper9,00 Lei (1,93€)
Tagestour zu Schloss Peleș, Schloss Bran und Brașov70,00€
Abendessen bei Ciorbarie15,00 Lei (3,21€)
Frühstück bei La Mama39,00 Lei (8,35€)
Museum für zeitgenössische Kunst16,00 Lei (3,43€)
Snickers-Madness bei Coffeöl 26,00 Lei (5,57€)
Bier bei Fabrica8,00 Lei (1,71€)
Abendessen bei PikaKlara30,00 Lei (6,42€)
Bahnfahrt nach/von Constanța 119,20 Lei (25,52€)
Mittagessen bei Tara's Gastropub27,00 Lei (5,78€)
Heiße Schokolade bei La Bussola12,00 Lei (2,57€)
Frühstück bei Take 510,00 Lei (2,14€)
Tour durch Parlamentspalast30,00 Lei (6,42€)
Mittagessen bei Caru Cu Bere60,00 Lei (12,85€)

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Treppe im Kalemegdan-Park
Belgrad: Elektrisierende Erlebnisse, viele Kilometer und etwas Kunst

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