26
Mai
2018
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Vor der Mutter-Heimat-Statue

10 Sehenswürdigkeiten in Kiew, die du gesehen haben musst

⌚ geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Ich war bereits zwei Mal in Kiew und halte die Stadt für unglaublich faszinierend. Die Stadt ist touristisch nur wenig erschlossen, bietet aber eine Vielzahl an Sehenswürdigkeiten, um ihr einen Besuch abzustatten. Mit Wizzair kann kann man etwa von Memmingen aus in weniger als zweieinhalb Stunden nach Kiew fliegen. Leckeres Essen, gut ausgebauter Nahverkehr, visumfreie Einreise – alles, was man als Reisender benötigt bekommt man hier für in Europa nahezu ungeschlagene Preise. Zumindest ich habe noch in keiner anderen Stadt in einem edlen Restaurant für ein Essen zu zweit weniger als umgerechnet 15 Euro gezahlt. Und eine halbstünde Taxifahrt zum Flughafen für 4 Euro sollte ebenfalls konkurrenzlos sein. Und wer sich Sorgen wegen der Sicherheit macht, den kann ich ebenfalls beruhigen: Ich habe viele nette Menschen getroffen und mich auch im Nachtleben jederzeit wohl gefühlt.

Doch nicht nur die Preise in Kiew überzeugen. Die Stadt hat jede Menge darüber hinaus zu bieten. Ich habe dir 10 Sehenswürdigkeiten in Kiew herausgesucht, die du innerhalb eines Tages problemlos schaffen solltest. Da alles davon so sehenswert ist, ist die Liste nicht priorisiert. Ich habe die Liste lieber einer Reihenfolge aufgestellt, in der man sie perfekt nacheinander besuchen kann.

10 Sehenswürdigkeiten in Kiew, die du gesehen haben musst

1. Metrofahrt zur Haltestelle Dnipro

Die U-Bahn-Stationen in Kiew nicht ganz so prunkvoll wie in Moskau oder St. Petersburg. Das tut der Sache aber keinen Abbruch, dass man auch hier eher denkt, man sei in einem Palast als einem Bahnhof. Von den Decken hängen Kronleuchter, die Wände zieren Mosaike und Reliefs und alles ist bis in die letzte Ecke hinein sauber. Die Menschen zeigen Respekt gegenüber diesen Orten und werfen keinen Müll auf den Boden oder malen Graffiti an die Wände. Und wenn man Glück hat, kommt man in den Genuss eines kleinen Konzerts. An vielen Haltestellen findet man nämlich Straßenmusiker.

Minutenlange Rolltreppenfahrten bis tief unter die Erde

Minutenlange Rolltreppenfahrten bis tief unter die Erde

Und das Beste ist: Zum Preis von 4 Hrywnja, also nicht einmal 0,15 Euro – kann man so oft fahren und umsteigen wie man möchte.

Nach Dnipro zu fahren hat übrigens zwei Gründe: Einersatz kann man von hier aus wunderbar seine Tour starten, hat andererseits aber auch eine tolle Sicht über den Fluss Dnepr auf die Neustadt Kiews. Deren Hochhäuser und Plattenbauten erscheinen aus dieser Entfernung sehr imposant.

Metrostation Dnipro

Metrostation Dnipro

2. Mutter-Heimat-Statue

Noch imposanter wird es an der Mutter-Heimat-Statue. Bei dieser Statue handelt es sich um ein Relikt alter Sowjettage. Zum Gedenken an den Sieg der sowjetischen Streitkräfte im Großen Vaterländischen Krieg wurde dieser insgesamt 102 Meter-hohe Koloss errichtet. Lange suche muss man nach diesem Denkmal nicht, denn es ist schon aus weiter Ferne gut zu erblicken. Umgeben ist das Gelände um das Monument herum von einem ewigen Feuer, Tunneln mit patriotischen Reliefes sowie einem Militärmuseum.

Mutter-Heimat-Statue aus der Ferne

Mutter-Heimat-Statue aus der Ferne

Mutter-Heimat-Statue

Mutter-Heimat-Statue

3. Kiewer Höhlenkloster Kievo-Pecherska Lavra

Vom Startpunkt, der Haltestelle Dnipro, aus konnte man bereits den kostenlosen Teil des Klosters, die untere Lawra, durchqueren.

untere Lawra

untere Lawra

Es lohnt sich aber auch noch den Eintrittspreis von 70 Hrywnja, weniger als 2,30 Euro, für die obere Lawra zu bezahlen.

Kirche im Kiewer Höhlenkloster Kievo-Pecherska Lavra

Kirche im Kiewer Höhlenkloster Kievo-Pecherska Lavra

Ausblick vom Kiewer Höhlenkloster Kievo-Pecherska Lavra

Ausblick vom Kiewer Höhlenkloster Kievo-Pecherska Lavra

Nicht nur bekommt man die Möglichkeit, alle Kirchen mit ihren goldenen Dächern und weitere Klöstergebäude zu sehen. Es gibt auch noch zwei künstlich angelegte Höhlen, die eng, dunkel und nur von Kerzen beleuchtet sind. Als wäre dies nicht schon gruselig genug, stehen in Nischen entlang der Gängen Särge mit den mumifizierten Körpern von Mönchen. Das ist sicherlich nicht für jeden etwas, in dieser Form aber eben auch eine einmalige Sehenwürdigkeit.

4. Mykola Syadristy Microminiatures Museum

Auf dem Gelände des Klosters findet man noch eine weitere Sehenswürdigkeit, die uneingeschränkt jeden begeistern wird. Es fällt schwer zu umschreiben, was man im Mikrominiatur-Museum zu sehen bekommt.

Mykola Syadristy Microminiatures Museum

Mykola Syadristy Microminiatures Museum

Es sind kleine Dinge, winzig kleine Dinge um genau zu sein. Ausgestellt werden mikroskopisch kleine Werke von Mykola Syadristy, dem es etwa gelang, einem Floh Hufeisen anzulegen oder ein Schachbrett mit Figuren auf den Kopf eines Nagels zu platzieren. Und das „mikroskopisch klein“ ist hier nicht metaphorisch, sondern wortwörtlich gemeint. Für den Eintrittspreis von 50 Hrywnja – weniger als 1,70 Euro – bekommt man etwas geboten, was weltweit in dieser Form einzigartig sein dürfte: Eine Sehenswürdigkeit in Kiew, bei der es zwar nur wenig zu sehen gibt, aber was definitiv würdig ist, gesehen zu werden.

Miniatur-Schachbrett unter dem Mikroskop

Miniatur-Schachbrett unter dem Mikroskop

Floh mit Hufeisen

Floh mit Hufeisen

5. Mariinsky Park

Frei von Menschen wird man das Kloster sicherlich zu keiner Zeit finden. Wer etwas Ruhe sucht wird fündig im Mariinsky Park. Angeschlossen an den Park findet man das ukrainische Parlament, den Marienpalast und einen tollen Aussichtspunkt über den Fluss Dnepr.

Ukrainisches Parlament

Ukrainisches Parlament

Marienpalast

Marienpalast

Aussichtspunkt über den Fluss Dnepr

Aussichtspunkt über den Fluss Dnepr

6. Denkmal der Völkerfreundschaft

Weiter geht es durch den Park in Richtung Norden.

Neben der Mutter-Heimat-Statue ist das Denkmal der Völkerfreundschaft ein weiteres Überbleibsel aus der Sowjetzeit. Es erinnert an die Freundschaft zwischen Ukrainern und Russen. Auch an der Bedeutung merkt man also, dass es nicht ganz aktuell ist. Beeindruckend ist es dennoch und bietet darüber hinaus auch eine tolle Aussicht über die Stadt.

Denkmal der Völkerfreundschaft von vorne

Denkmal der Völkerfreundschaft von vorne

Aussichtspunkt am Denkmal der Völkerfreundschaft

Aussichtspunkt am Denkmal der Völkerfreundschaft

7. Unabhängigkeitsplatz

Mit der jüngeren Geschichte der Ukraine im Allgemeinen und Kiew im Speziellen verbindet man den Unabhängigkeitsplatz, den man allerdings eher unter dem Namen Majdan kennt. Heute wirkt der Ort zwar unruhig und geschäftig, aber auch sehr friedlich.

Blick über den Majdan

Blick über den Majdan

Ein genauerer Blick auch in die Nebenstraßen zeigt, dass die Eskalation aus dem Jahr 2014 noch immer sehr präsent in den Köpfen ist und sich die Menschen in Kiew an die vielen Opfer erinnern.

Gedenkstätte für die Opfer am Majdan

Gedenkstätte für die Opfer am Majdan

8. Sophienkathedrale und St. Michaelskloster

Eigentlich handelt es sich bei der Sophienkathedrale und dem St. Michaelskloster um zwei unterschiedliche Sehenswürdigkeiten. Da sie aber in Sichtweite voneinander liegen, habe ich mir erlaubt, sie als einen Punkt zusammen zu fassen.

Blick von Sophienkathedrale zu St. Michaelskloster

Blick von Sophienkathedrale zu St. Michaelskloster

Die Sophienkathedrale und der angeschlossene Museumskomplex liegen zwar mitten in der Stadt, waren aber von Touristen kaum bevölkert, als ich dort war. Man bekommt also etwas Ruhe vom Trubel, der zuvor noch herrschte. Noch ruhiger wird es, wenn man die Möglichkeit nutzt, auf den 76 Meter hohen Turm zu steigen. Wer mehr zur Sophienkathedrale und ihrer Geschichte erfahren möchte, sollte zudem unbedingt das Museum besuchen. Der Eintrittspreis richtet sich je nachdem, was man alles sehen möchte, beträgt maximal aber 50 Hrywnja, also etwa 1,65 Euro.

Blick auf Sophienkathedrale

Blick auf Sophienkathedrale

Aussicht vom Turm der Sophienkathedrale

Aussicht vom Turm der Sophienkathedrale

Im Gegensatz zur Sophienkathedrale wird das St. Michaelskloster noch für den Zweck genutzt, für den es einstmals gebaut wurde. Mit seinen leuchtenden Farben und den goldenen Türmen ist es eigentlich Pflicht, davon ein Foto zu machen. Ich war aber irgendwie so sehr davon beeindruckt, dass ich beiden meiner Trips keine vernünftigen Aufnahmenmitgebracht habe, sondern nur die Pforte zum Kloster geknipst habe.

St. Michaelskloster

St. Michaelskloster

9. Fahrt mit der Standseilbahn

Vorbei an einem Gebäude im Stil des sozialistischen Klassizismus läuft man genau auf die Standseilbahn zu. Diese fährt alle paar Minuten, sobald sich ausreichend Passagiere gefunden haben und jeweils eine Fahrt rauf und wieder runter kosten zusammen 16 Hrywnja, was etwa 0,50 Euro sind. Man sollte dabei auch dem zwar kleinen, aber sehenswerten Bahnhof ein wenig Aufmerksamkeit schenken.

Standseilbahn

Standseilbahn

10. Andreassteig

Am Andreassteig findet sich nicht nur die majestätische St. Andreaskirche mit ihren türkisfarbenen Wänden, weißen Säulen und jeder Menge Gold, sondern eine Straße voller Restaurants, Marktstände, Denkmäler und das Michail-Bulgakow-Museum. Leider richtet es sich nicht an ausländische Touristen. Mit der Übersetzungshilfe meiner russischen Freundin hat sich ein Besuch für 40 Hrywnja – etwa 1,30 Euro – jedoch gelohnt, obwohl ich kein einziges Werk des Schriftstellers gelesen habe.

St. Andreaskirche

St. Andreaskirche

Andreassteig

Andreassteig

Abrechnung

Für weit weniger als 10 Euro kann man in Kiew einen abwechslungsreichen Tag verbringen, bei dem noch Budget für ein umfangreiches Abendessen bleibt. Und Möglichkeiten dafür sind in Kiew auch reichhaltig geboten.

7,60€
Metrofahrt zur Haltestelle Dnipro4 UAH (0,15€)
Eintritt zum Kiewer Höhlenkloster Kievo-Pecherska Lavra70 UAH (2,30€)
Eintritt zum Mykola Syadristy Microminiatures Museum50 UAH (1,70€)
Eintritt zur Sophienkathedrale 50 UAH (1,65€)
Fahrt mit der Standseilbahn16 UAH (0,50€)
Eintritt für Michail-Bulgakow-Museum40 UAH (1,30€)

Fazit

Es fiel mir wirklich schwer, mich auf 10 Sehenswürdigkeiten in Kiew zu beschränken, da ich noch viel mehr zu nennen gehabt hätte: Etwa der Kiev Fashion Park, wo man seinen Besuch vom Andreassteig perfekt fortsetzen kann, wenn noch Zeit bleibt. Auch das goldene Tor, wohin sich ein Schlenker nach dem Majdan lohnt sollte man eigentlich gesehen haben. Und wenn das Wetter nicht ganz mitspielt oder man mehr Zeit mitgebracht hat, sollte das ukrainisches Nationalmuseum Tschernobyl ebenfalls einen Pflichtprogrammpunkt darstellen. Für den Audioguide sollte man eigene Kopfhörer mitbringen. Die ausgegebenen kratzen und ächzen mittlerweile nur noch. Das Nachtleben in Kiew lohnt sich dann später am Abend nicht nur wegen der günstigen Preise, sondern auch wegen seiner vielen Möglichkeiten.

Was ich selbst nicht mehr geschafft habe zu sehen, ist das Eine-Straße-Museum. Wie ich im Atlas Obscura lesen konnte, sollte sich ein Besuch besonders dann lohnen, wenn man Zugang hinter die eigentlich verschlossenen Türen erhält. Davon werde ich dann aber mehr nach meinem nächsten Besuch in Kiew berichten. Dass ich Kiew noch mindestens ein drittes Mal besuche steht für mich auf alle Fälle schon fest!

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